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Ligerz

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. Nidau. L. liegt am linken Bielerseeufer und umfasst neben dem Winzerdorf die Weiler Kleintwann (halb zu Twann gehörig) und Bipschal sowie auf der Terrasse am Jura Schernelz und Festi. 1236 Ligerce. Franz. Gléresse. 1764 306 Einw.; 1850 458; 1900 419; 1950 541; 1980 433; 2000 490. Neolith. Ufersiedlung westlich des Dorfes bei Schafis (Gem. La Neuveville), jedoch kaum bei Bipschal. Streufunde von der Bronzezeit (Dorf) bis zur Römerzeit (Bipschal, Eyholz, Dorf).

Im MA war L. eine Freiherrschaft der Herren von L. mit der 1236 erw. Stammburg über dem Dorf (sog. Festi), ein Lehen der Gf. von Nidau (1370). Der Herrschaft L. gehörte das Nieder-, den Gf. von Nidau das Hochgericht. 1388 bzw. 1393 kam L. mit Nidau unter Berns Hoheit. Einer Teilung der Herrschaft 1358 unter den Freiherren folgten Ende des 14. Jh. die Verpfändung an Biel, dann der Verkauf je einer Hälfte an die Bernburger von Büren und von Muleren, von denen dann die eine 1409 an Biel, die andere 1469 an Bern veräussert wurde. In gemeinsamer Verwaltung setzten die Städte den örtl. Meier als Obmann des Gerichts ein. 1551 erwarb Bern auch die Hälfte Biels und unterstellte L. dem Landvogt von Nidau. Alte Vorrechte (Markt, Fischerei, Ohmgeld) wurden 1553 bestätigt. Die Ligerzer, Eigenleute v.a. der Herrschaft und des Bf. von Basel, kauften sich 1406 und 1485 von Eigenschaft, Steuern und Fronen los, waren nun aber als Ausburger Biel und Bern gegenüber leistungspflichtig. Die Pilgerkapelle über dem Dorf im Rebberg (1261 erw.) war eine Filiale der Kirche Diesse. 1434 erhielt sie Pfarreirechte (Hl. Kreuz), wurde aber erst 1483 nach dem Kirchenbau (Umbau 1520-26) von Diese gelöst. Den Kirchensatz in L. und Diesse besass die Abtei St. Johannsen (1528 an Bern). Die Annakapelle im Dorf (1516 erbaut) wurde 1528 Wohnhaus. 1876-89 war L. der Kirche Twann zugeteilt.

Am weiten Rebgelände waren ausser der Herrschaft noch andere Herren, ferner Klöster wie St. Johannsen in Erlach, Fraubrunnen, Thorberg, später auch Biel (Spital), Bern (nach 1528 auch als Erbe der Klöster) und Bernburger beteiligt. Das spätma. L. gliederte sich in Ober-, Mittel- und Unterdorf. Die jüngere Linie von L. baute im Oberdorf um 1555 den sog. Hof (heute ein Rebbaumuseum). Im Unterdorf errichteten patriz. Rebbesitzer im 17. bis 18. Jh. Herbstsitze (Stadthäuser), etwa die Fam. von Wattenwyl und Hortin. Die Bevölkerung war bis ins 18. Jh. mehrheitlich französischsprachig, die Schule bis Ende 18. Jh. zweisprachig (heute offiziell deutsch). Die Einwohner lebten von Rebbau, Fischerei, Viehwirtschaft und Gemüsebau. 1798 kam L. zum Distrikt Seeland, ab 1803 zum Oberamt Nidau. Jahrhundertelang auf den Seeweg angewiesen, erhielt L. erst mit der Bielerseestrasse (1835-38) und der Bahnlinie Biel-Neuenburg (1858-60) Landverbindungen. 1911-12 wurde die Standseilbahn L.-Tessenberg gebaut. Die Tunnelführung der Autobahn (1984-91) bewahrte L. vor extremen Uferverbauungen, zudem ist ein Eisenbahntunnel geplant. Erwerbszweige sind Weinbau und -handel, Tourismus, Fischerei und Kleingewerbe (Küferei).


Literatur
– P. Aeschbacher, Stadt und Landvogtei Nidau, 1929
– B. Schnitter et al., Die Kulturlandschaft und das Ortsbild von L., 1976
– A. Jaquemet, L., 2002
– C. Kessler Loertscher, Bauinventar der Gem. L., 2002

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler