Biochemie

Die B. befasst sich mit den hoch- und niedermolekularen Lebensvorgängen. Ihre zahlreichen Richtungen umfassen u.a. die Molekularbiologie, Immunologie und Neurobiologie, die ihrerseits überlappen mit benachbarten Gebieten wie Mikrobiologie und Zellbiologie. Die B. ist deshalb als zentrale, unscharf begrenzte Disziplin der modernen Biowissenschaft (Biologie) zu verstehen.

In der Schweiz ging die B. aus der an den medizin. Fakultäten gelehrten physiolog. Chemie hervor. Mit Ausnahme der Univ. St. Gallen, der Universitären Hochschule Luzern und der Univ. der ital. Schweiz verfügen alle schweiz. Universitäten sowie die beiden Eidg. Technischen Hochschulen über Biochem. Institute, die sich nach dem 2. Weltkrieg auch an den naturwiss. Fakultäten etablieren konnten.

Die Schweiz nimmt in der biochem. Forschung eine weltweit bedeutende Stellung ein. Für ihre v.a. für die B. wegweisenden Forschungsarbeiten erhielten 1937 Paul Karrer und 1939 Leopold Ruzicka den Chemie-Nobelpreis. Werner Arber wurde für seine Arbeit über die Restriktionsenzyme zusammen mit zwei amerikan. Kollegen 1978 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Ihre Erkenntnisse haben die Entwicklung der modernen Molekularbiologie und Gentechnik ermöglicht. Mit brit. und argentin. Forschern teilte auch der in Basel lehrende dän. Immunologe Niels Kaj Jerne 1984 den Nobelpreis für Medizin. Ihre Entdeckung ist zentral für viele Disziplinen der modernen Biologie und Diagnostik sowie evtl. für die Krebstherapie. Mit dem gleichen Preis wurden 1996 Rolf Martin Zinkernagel und der Australier Peter Doherty für ihre Leistungen auf dem Gebiet der experimentellen Immunologie gewürdigt.

Auch im Ausland forschende Schweizer wurden für ihre Beiträge zur B. mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Die Erforschung der Phosphorylierung u.a. durch Daniel Bovet (1957) und Edmond H. Fischer (1992) brachte zentrale Erkenntnisse im Bereich Glycogenbiosynthese und -abbau, zur Embryonalentwicklung und zur Krebsentstehung. Zahlreiche weitere ausgezeichnete Wissenschaftler beschäftigen sich in Lehre und industrieller Forschung mit der B., v.a. in der Pharma-, Agro- und Lebensmittelindustrie. Sie tragen zur bedeutenden Stellung der Schweiz in der Chemischen Industrie bei.


Literatur
– C. Picco, Das Biochem. Inst. der Univ. Zürich 1931-81, 1981
Hochschulgesch. Berns 1528-1984, 1984, 746
– G. Kreis, Die Univ. Basel 1960-85, 1986, 110-113
– M. Marcacci, Histoire de l'Université de Genève 1559-1986, 1987, 225
Gesch. der Univ. Freiburg, Schweiz, 1889-1989, Bd. 2, 1991, 825-829
– M. Teich, A Documentary History of Biochemistry 1770-1940, 1992

Autorin/Autor: Kaspar Heinrich Winterhalter