15/02/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Campionesi

Als C. bezeichnet man Bildhauer, Steinmetzen und Architekten aus der Region Campione d'Italia, Lugano und allgemeiner der oberital. Seen, die zwischen der 2. Hälfte des 12. und dem Ende des 14. Jh. in versch. Regionen Italiens und in der Schweiz tätig waren. Anselmo da Campione (1160 bis Anfang des 13. Jh. belegt), wahrscheinlich in Arles ausgebildet, arbeitete nachher in der Dombauhütte in Modena, dem ersten wichtigen Zentrum der C. Ihm werden das Querschiff (ca. 1160) und der Lettner der Kirche (1170) sowie die Reliefs, die den Eingangsbogen zur Krypta schmücken, zugeschrieben. Auch Arrigo I. da Campione (ca. 1220-70), Enkel von Anselmo, wirkte als Architekt und Bildhauer in der Dombauhütte von Modena. Bonino da Campione war 1350-97 tätig und arbeitete zu Beginn wahrscheinlich im Gefolge von Giovanni da Campione. Er schuf das Grabdenkmal von Folchino de' Schizzi (1357), das Grab des hl. Homobonus (heute nicht mehr vorhanden) im Dom von Cremona, die Reiterstatue von Bernabò Visconti, die er 1363 fertig stellte (heute im Museo del Castello Sforzesco in Mailand), und den Sarkophag von Cansignorio della Scala (gestorben 1375) in Verona. Aufgrund von Stilvergleichen werden ihm verschiedene andere Werke zugeschrieben, darunter das Grab des Bf. Balduino Lambertini da Bologna (gestorben 1349) im alten Dom von Brescia und das Grabdenkmal von Stefano und Valentina Visconti in der Kirche S. Eustorgio in Mailand (1359). Giacomo da Campione arbeitete 1387-91 in der Dombauhütte Mailand; er schuf 1390 das Spitzbogenportal der sacrestia aquilonare. 1396 war er an der Grundsteinlegung für die Kartause Pavia beteiligt. Ugo da Campione (1308-53) werden einige der Virtù -Darstellungen des Baptisteriums in Bergamo zugeschrieben. Auch Figuren, die seit 1351 die Portalpfosten der angrenzenden Kirche S. Maria Maggiore schmücken, soll er zusammen mit seinem Sohn Giovanni geschaffen haben. Ugo ist zudem Schöpfer des Grabmals von Kardinal Guglielmo de Longis (1313) in der Kirche S. Maria Maggiore in Bergamo und des Grabes von Guiscardo Lanzi, das heute nicht mehr vorhanden ist. Sein Sohn Giovanni war 1348-60 v.a. in Bergamo tätig: Im Baptisterium gestaltete er einige markant modellierte Reliefs mit den Szenen der Passion; in der Kirche S. Maria Maggiore schuf er 1354 die Reiterstatue des hl. Alexander für die nördl. Vorhalle und 1360 die südl. Vorhalle. 1348 arbeitete er in der Pfarrkirche Bellano (Provinz Como). Marco Frisone da Campione, 1387-90 als Bildhauer, Architekt und Baumeister tätig, arbeitete für den Mailänder Dom, ebenso Lorenzo degli Spazi da Campione (1391-1402 erwähnt), der zudem 1396-1402 die Bauhütte der Kathedrale Como leitete.


Quellen
Annali della Fabbrica del duomo di Milano dall'origine fino al presente, hg. von C. Cantù, 1877-85
Literatur
I maestri campionesi, hg. von R. Bossaglia, G.A. Dell'Acqua, 1982
Il duomo di Modena, Ausstellungskat. Modena, 1985
DBI 12, 224-226

Autorin/Autor: Paolo Sanvito, Simona Martinoli / CN