17/09/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken

Brügg

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Nidau. Vorort von Biel (BE) am linken Ufer des Nidau-Büren-Kanals mit neuen Industrie- und Wohnquartieren. 1261 Brugge. 1764 240 Einw.; 1850 451; 1900 1'092; 1950 1'537; 1990 4'264; 2000 4'011. Grabhügel der Hallstattzeit im Alten Bann weisen auf eine frühe Besiedlung hin. Bedeutung erlangte das Gebiet in spätröm. Zeit durch die Route von Petinesca über Mett in den Jura ("Römerstrasse" durch das Längholz) mit der Zihlbrücke (Brückenkopfreste von 368-369 in der Isel bzw. unterhalb der Kirche Bürglen).

Im SpätMA gehörte B. mit allen Gerichten zur Grafschaft Nidau und kam mit dieser 1388 bzw. 1393 an Bern. Innerhalb der Landvogtei Nidau bildete B. mit Aegerten und Bürglen das Brüggviertel. Güterbesitz hatten u.a. die Kyburger und das Kloster Gottstatt. Anstelle der abgegangenen röm. Brücke trat im MA eine Fähre. Die Zihl war bis in die neueste Zeit nie Grenze. Dank der Zugehörigkeit zur Kirchgem. Bürglen war B. sogar mehr mit den rechtsufrigen Gemeinden verbunden, so etwa im Schulverband mit Aegerten (bis zum Bau der eigenen Schule 1683). Seit 1971 bildet B. einen eigenen Pfarrkreis mit Friedhof (um 1900) und Kirchgemeindehaus (1963).

Neben Ackerbau boten in vorindustrieller Zeit Fischfang, Schifffahrt und Gewerbe (1333 erw. Mühle, Bleicherei, Gerberei, Schmiede) Verdienst. Mit der Industrialisierung orientierte sich B. wirtschaftlich zunehmend nach Biel: Im 19. und 20. Jh. lösten die Bahnlinie (1865) bzw. die Autobahn (1955) Bern-Lyss-B.-Biel die alte Landstrasse Bern-Aarberg-Nidau-Biel als Hauptverkehrsachse ab. B. wurde v.a. in den 1950er Jahren als Industriestandort interessant. Indikator dafür ist die starke Bevölkerungszunahme zwischen 1950 und 1960, mit 68% die grösste im Kt. Bern. Die Juragewässerkorrektionen (1868-91, 1962-73), der Bau des Nidau-Büren-Kanals und die Amelioration des Brüggmooses (mit heutiger Industriezone) hatten diesen Wandel eingeleitet und begleitet. Nachdem erst 1834 wieder eine Brücke die Zihlfähre ersetzt hatte, rechtfertigen heute fünf Brücken über den Kanal und die Zihl den Namen B. Zur Vielzahl der Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe gehören auch solche zur Sonderabfall- und Müllverwertung für die Region Biel. Parallel zur Industrie entwickelte sich ab 1950 der Wohnungsbau in den neuen Quartieren Pfeid, Gummen, Brachmatt, Baltismatt, Burgersried, Winzenried und Neubrückquartier im Sog der nahen Stadt Biel, nach welcher sich B. auch kulturell orientiert. Dank dem eigenen grossen Arbeitsplatzangebot übertrifft der Zupendler- den Wegpendlerstrom. Die Gem. bemüht sich um ein gutes Schul- (Sekundarschule 1932), Sport- und Freizeitangebot (z.B. Mehrzweckanlage Erlen) und unterstützt den Ausflugsbetrieb auf dem Kanal (Schifflände 1974 eröffnet).


Literatur
B., [1986]
– R. Bacher, P.J. Suter, «Die spätröm. Befestigungsanlagen von Aegerten», in ArS 12, 1989, 124-135

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler