Waffenplätze

W. sind militär. Ausbildungszentren, die aus Unterkünften (Kasernen), Ausbildungsanlagen sowie z.T. aus Schiess- und Übungsgelände bestehen. Ihre Entwicklung hing v.a. von der Waffentechnik (Waffen) und der Militärischen Ausbildung (Militärische Schulen) ab. Erst ab dem SpätMA wurden in Städteorten vor den Toren Übungs- und Schiessplätze für die Büchsenschützen und die Artillerie eingerichtet, so um 1386 in Zürich. Im 17. und 18. Jh. verlangte die infanterist. Lineartaktik Exerzierplätze. Daraus entstanden bis ins 19. Jh. W. mit differenzierter Infrastruktur. Die Tagsatzung errichtete 1818 in Thun die erste eidg. Militärschule. Ab 1848 war der Bund für die Ausbildung aller Spezialtruppen und ab 1874 auch für die Infanterie zuständig. In den dafür geschaffenen acht Divisionskreisen wurden die meisten kant. W. ausgebaut und später oft vom Bund übernommen. Dieser baute auch zusätzl. W. wie z.B. in Andermatt. Im 20. Jh. machten neue Waffen und Instruktionsmethoden weitere W. nötig, die über grossflächige Schiessplätze verfügten, u.a. in Walenstadt oder die Panzerschiessplätze Hinterrhein und Wichlen (Elm, heute Gemeinde Glarus Süd). Ferner wurden W. in Stadt- und Siedlungsnähe (Zürich, Bellinzona, Losone) durch Anlagen abseits der Wohngebiete wie im Reppischtal (Gem. Birmensdorf), in Airolo, Isone und Neuchlen-Anschwilen (Gem. Gossau SG) ersetzt. Dagegen opponierten Naturschutzkreise, deren Volksinitiative "Zum Schutz der Moore" (Rothenthurm-Initiative) 1987 an der Urne angenommen wurde. Hingegen scheiterte 1993 die Initiative "40 W. sind genug". In den 1990er Jahren besass die Armee 40 W. (30 bundeseigene, zehn kantonale) sowie rund 500 ordentl. und ausserordentl. Schiessplätze. Die Armeereform 95 schuf vier Ausbildungsregionen mit dem Ziel, den Nutzen der Ausbildungsinfrastrukturen zu optimieren und die Interessen von Militär, Landwirtschaft, Umweltschutz und Tourismus zu koordinieren. Die 2004 in Kraft getretene Armeereform XXI führte u.a. zu einer drast. Reduktion von Waffen- und Flugplätzen, Befestigungs-, Logistik- und Infrastrukturanlagen. Die Reduktion des Militärbudgets (2013 4,7 Mrd. Fr.) löste eine erneute Armeeplanung aus, die u.a. eine Verkleinerung der Bestände auf 100'000 Armeeangehörige und eine Reduktion der Ausbildungsinfrastrukturen zum Ziel haben soll.


Literatur
Sachplan Waffen- und Schiessplätze, 4 Bde., 1998-99

Autorin/Autor: Hans Stadler