Quäker

Die Q. wurden in England spöttisch wegen "Zitterns" während der Andachten so genannt, ihre eigentl. Bezeichnung ist Religiöse Gesellschaft der Freunde. Ihr Gründer, der Brite George Fox (1624-91), suchte nach einem von Dogmen und kirchl. Konventionen unverstellten Christentum. Rasch entstand eine ethisch radikale, pazifistische, institutionell kaum ausgebaute Organisation ohne jeden Klerikerstand, die in ihrer klass. Form der schweigenden Andacht verpflichtet war. Im weiteren Verlauf haben die Q. sich v.a. in ethisch-religiösen Fragen profiliert, u.a. um 1800 in den Bereichen Bildung, Gefängnisreform und Sklavenbefreiung, im 20. Jh. im Wiederaufbau nach den Weltkriegen und in der Friedensförderung. Die Q. gehören zu den sog. Historischen Friedenskirchen.

In der Schweiz haben die Q. im frühen 20. Jh. Fuss gefasst. Internationale ökumen. Versöhnungsinitiativen, die religiös-soziale Bewegung, die polit. und religiösen Institutionen in Genf oder der von Pierre Cérésole gegr. Zivildienst haben ausländ. Q. angezogen und Schweizer Freundeskreise entstehen lassen. Genf, wo sich 1920 die erste Gruppe bildete, wurde damit auch Sitz quäker. Initiativen wie dem Quaker International Centre (ab ca. 1923, später Quaker United Nations Office) oder dem Quaker International Student Hostel (ab 1926). Ab 1934 gab es in Bern gesamtschweiz. Versammlungen, seit 1947 ist das Swiss Yearly Meeting ein eigenständiger Verein. Die um 1940 von Hélène Monastier lancierte Zeitschrift "Entre Amis" verbindet in ihrer Dreisprachigkeit (dt., franz., engl.) das heterogene schweiz. Quäkertum. Während zunächst zahlreiche kleine lokale Treffen stattfanden, sind heute ausser in Genf Gruppen in Lausanne, La Chaux-de-Fonds, Bern, Basel, Zürich und Romanshorn aktiv. Sie umfassen knapp hundert Vollmitglieder (oft kirchl. Doppelmitglieder) und ebenso viele sog. Freunde der Freunde als Begleiter und Förderer.


Literatur
Leben, Glauben und Gedanken der Schweizer Q., hg. von E. Royston, D. Hay-Edie, 2009

Autorin/Autor: Marc van Wijnkoop Lüthi