Berner Volkszeitung

Titel zweier Zeitungen im Kt. Bern. Ein 1846 in Burgdorf gegründetes konservatives Organ stellte trotz einer relativ weiten Verbreitung Ende 1847 sein Erscheinen ein. 1857 rief der Verleger und Redaktor Martin Müller in Herzogenbuchsee das mehrmals wöchentlich erscheinende "Oberaargauer-Blatt" ins Leben (Untertitel: "Buchsi-Zeitung" und "Anzeiger für den Oberaargau"), das in einer politisch bewegten Zeit, ab 1860 unter dem Titel B., zu einem Kampfblatt der Radikalen wurde. Nach 20 Jahren als freisinniges Sprachrohr des Oberaargaus wurde die Zeitung 1878 als konservatives Organ weitergeführt, welches die Zukunftsängste des Handwerks angesichts der zunehmenden Industrialisierung artikulierte. 1880 umschrieb Redaktor Ulrich Dürrenmatt das Programm der B. als "Christentum und konservative Demokratie". Er verfasste bis 1908 in jeder Ausgabe "Titelgedichte" zum aktuellen Geschehen. Mit der Verlagerung der polit. Kräfte nach dem 1. Weltkrieg wurde die B. zum Sprachrohr des Mittelstands und vertrat die Ansichten der bern. BGB. Nach dem 2. Weltkrieg löste sie sich allmählich aus ihren parteilichen Bindungen und entwickelte sich zu einem politisch unabhängigen Blatt. 1989 erhielt die B. ein neues Konzept mit Schwerpunkt auf lokaler Berichterstattung. 1998 betrug die Auflage 2'000 Exemplare. Seit Jan. 1999 ist die B. unter dem Titel "Buchsi-Zeitung" eine gänzlich auf den lokalen Kontext ausgerichtete Monatszeitung (Startauflage 5'000 Exemplare).


Literatur
– K.J. Lüthi, Das bern. Zeitungswesen, 1925
– Blaser, Bibl., 155 f.

Autorin/Autor: Ernst Bollinger