• <b>Eglisau (Gemeinde)</b><br>Die älteste Darstellung der Stadt. Holzschnitt aus der "Chronik der Eidgenossenschaft" von   Johannes Stumpf,  die 1548 in Zürich erschien (Schweizerische Nationalbibliothek).
  • <b>Eglisau (Gemeinde)</b><br>Die Rheinbrücke. Aquatinta in Braungraudruck von  Franz Hegi,   1811 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv). 1799 zerstörte die russische Armee auf der Flucht vor französischen Truppen die Brücke, 1810–1811 wurde sie unter der Leitung des Architekten Hans Konrad Stadler wieder aufgebaut. Am linken Rheinufer, am Fusse des alten Landvogteischlosses, errichtete man eine neue Zollstation in klassizistischem Stil, geschmückt mit vier dorischen Säulen.

Eglisau (Gemeinde)

Polit. Gem. ZH, Bez. Bülach. Hist. Brückenstädtchen am Rhein, mit den Ortsteilen (Wachten) Städtli, Burg, Steig und Wiler auf dem rechten, Seglingen und dem Weiler Tössriedern auf dem linken Ufer. 892 Einzelhöfe Ouwa, 1238 Owe, 1304 ze Seglinger Owe, 1332 ze Eglins Owe, 1352 ze Eglisowe. E. liegt am Schnittpunkt zweier ma. Verkehrsachsen; es beherrschte die Rheinschifffahrt und den Rheinübergang der Nord-Südverbindung zwischen Klettgau und Zürichgau, war Sitz der Zürcher Landvögte und Marktort. Im 13. Jh. ca. 150 Einw.; im 14. Jh. 350; 1488 650; 1588 860; 1634 998; 1689 1'494; 1796 1'578; 1850 1'612; 1880 1'449; 1900 1'175; 1950 1'603; 2000 2'893.

<b>Eglisau (Gemeinde)</b><br>Die älteste Darstellung der Stadt. Holzschnitt aus der "Chronik der Eidgenossenschaft" von   Johannes Stumpf,  die 1548 in Zürich erschien (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>
Die älteste Darstellung der Stadt. Holzschnitt aus der "Chronik der Eidgenossenschaft" von Johannes Stumpf, die 1548 in Zürich erschien (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Spärl. Siedlungszeugen stammen aus dem Neolithikum und aus röm. Zeit. Am Rhein standen Wachttürme der spätröm. Grenzwehr Ks. Valentinians (364-375). Ende des 11. Jh. errichteten die Frh. von Tengen am linken Ufer einen Wehrturm an der Rheinfähre. Zur Stadtgründung mit Brücke zwischen 1238 und 1253 ist keine Gründungsurkunde überliefert. Als befestigtes oppidum ist E. 1254 bezeugt. Die Stadtanlage auf dem nördl. Uferhang entspricht dem zähring.-kyburg. Schema mit 49 Hofstätten an zwei Gassen, Graben auf drei Seiten, Obertor mit Wachtturm (Abbruch 1858), Wilertor mit Stadtmauer zur Kirche als Ostbastion und dem Rheintor an der Brücke. Die stadtnahen Aussenquartiere blieben ohne Schutz. Die ab dem 14. Jh. mit Ritterhaus, neuem Schloss, Ökonomie und Torhaus mit Zollstätte erweiterte linksufrige Anlage wurde 1841 bis auf die Scheune und die Lochmühle abgebrochen. Die 1249 erw. Brücke erhielt 1542 einen erneuerten Oberbau und ein Ziegeldach. 1799 von den Russen verbrannt, wurde sie 1811 durch eine zweibogige Sprengwerkbrücke ersetzt. Markante Profanbauten sind das Schulhaus (Helferei) von 1682 und die viergeschossigen spätgot. Wohnhäuser. Aus dem 14. Jh. datieren die Kernbauten des Hauses zum Törli, der Gasthöfe Krone und Hirschen, Letzterer mit für den Kt. Zürich einzigartiger Fassadenmalerei von 1662. Herausragende Barockbauten sind das Haus Lauffer-von Waldkirch (1645) und das Blaue Haus (1693), ausserhalb des Städtli das prachtvolle Weierbachhaus (1670). Im Ortsteil Burg stand bis 1876 die Schiffmühle im Rhein; in Seglingen steht noch der Biedermeier-Riegelbau der Lochmühle. Die mit der Stadt erbaute erste Leutkirche, eine rom. Saalkirche mit Zeltdachturm, war der Gottesmutter Maria geweiht. Sie wurde nach 1337 durch eine Kirche mit got. Chor ersetzt, die im 15. Jh. reichen Freskenschmuck erhielt (1960 freigelegt). Der Übertritt zur Reformation (Bildersturm) erfolgte 1523. Die Kirchgem. E. umfasste bis 1546 nur die Einwohner des Städtli, die Aussenquartiere waren in Glattfelden und Wil (ZH) kirchgenössig. Seit 1711 umfasst das Pfarrkapitel E. neun Kirchgemeinden Turm und Kirchenschiff wurden 1717 in barocker Art neu erbaut.

<b>Eglisau (Gemeinde)</b><br>Die Rheinbrücke. Aquatinta in Braungraudruck von  Franz Hegi,   1811 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).<BR/>1799 zerstörte die russische Armee auf der Flucht vor französischen Truppen die Brücke, 1810–1811 wurde sie unter der Leitung des Architekten Hans Konrad Stadler wieder aufgebaut. Am linken Rheinufer, am Fusse des alten Landvogteischlosses, errichtete man eine neue Zollstation in klassizistischem Stil, geschmückt mit vier dorischen Säulen.<BR/>
Die Rheinbrücke. Aquatinta in Braungraudruck von Franz Hegi, 1811 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
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Die Grund- und Gerichtsherrschaft lag bis 1463 bei den Frh. von Tengen, danach bei den Frh. Gradner. Von diesen erwarb Zürich 1496 die Vogtei Eglisau. Die Selbstverwaltung von E. als zürcher. Landstadt wurde in der neu geschaffenen Landvogtei respektiert, das bei der Gründung erteilte Markt- und Stadtrecht 1510 schriftlich bestätigt: Dem sechsköpfigen Kl. Rat stand der Baumeister vor, dazu kam unter Zürich der Gr. Rat mit zehn vom Kl. Rat ernannten Mitgliedern. Die Bürger wählten nur den Baumeister (Bürgermeister), die Rechnungsabnahme fand an der jährl. Gemeindeversammlung statt. Vier Stadtrichter wurden vom Landvogt aus den Räten bestimmt, ab 1599 zur Hälfte aus der übrigen Bürgerschaft. Sie waren zuständig für die niedere Gerichtsbarkeit, der Stillstand für die Sittenaufsicht. 1716 wurde das Stadtgericht durch das Herrschaftsgericht des Landvogts ersetzt. Hatte E. noch 1359 den Blutbann erhalten, so urteilte unter Zürich nur das zürcher. Hoch- und Malefizgericht. Nach Befreiung von der Erbschaftssteuer 1399 gehörten zu den Einkünften der Gem. der kleine Zehnt (ab 1593), ein Drittel des Weinzehnten, Hofstättenzinsen, eine Vermögenssteuer von 2,5‰, das Wein-Ungeld, ein halbes Korn-Immi (ab 1729) sowie alle Ehaften-Gebühren. In der Stadt fanden ein Wochenmarkt, drei Jahrmärkte sowie ein Kornmarkt statt. Der Anteil von Professionisten in Handwerk und Gewerbe war hoch (1624 62 in 24 Branchen, 1780 156 in 39). Landwirtschaft mit Rebbau, (Lachs-)Fischerei und (Salz-)Transporte durch die Korporation der Schiffleute bildeten weitere Erwerbszweige. Hohe Einzugsgebühren und Ehehindernisse bremsten ab dem 17. Jh. das Bevölkerungswachstum. Im 19. Jh. wandelte sich E. infolge der Krise des Handwerks und Transportgewerbes zu einer von stagnierender Kleinlandwirtschaft dominierten Gem. abseits von Wirtschaft und Verkehr, mit Ackerbau für Selbstversorgung, Vieh-, Schweine- und Ziegenhaltung. Die Ablösung der Zehnten und Grundzinsen brachte der Gem. eine hohe Verschuldung. Bis 1900 wanderte ein Viertel der Einwohner ab. Eine Zusammenlegung der extrem parzellierten bäuerl. Güter erfolgte erst 1951. Rebbau wird noch heute intensiv betrieben (v.a. Blauburgunder nebst Riesling-Sylvaner hoher Qualität), wenn auch auf einer von 87 (1885) auf 15 ha verringerten Fläche.

Die Industrie blieb lange fern. Die erste kleine Weberei entstand 1911, die erste Strickerei 1914, 1912 die erste Fabrik für Blachen und Wachstuch der Fam. Stamm. Ausgebaut zum grössten Werk für Stamoid und Spannteppiche, gehörte sie 1985-2001 zum Forbo-Konzern und seither zur Ferrari Group aus Lyon (1970 516 Arbeitnehmer, 2004 ca. 100). Ein 1880 bei der Mineralquelle E. errichteter Kurbetrieb blieb erfolglos (1891 aufgegeben). Die 1925 erstellte Abfüllfabrik für Mineralwasser (Eglisana, Orangina, später Pepsi Cola) ist heute bedeutende Produktionsstätte der Unifontes. Auf der ausgebauten Kantonsstrasse bestand ab 1843 eine Postverbindung zwischen Zürich und Schaffhausen. 1876 erhielt E. Anschluss an die Bahnlinie Winterthur-Koblenz, 1897 war der Eisenbahnviadukt über den Rhein nach Schaffhausen fertig gestellt. Für das Kraftwerk in Rheinsfelden (Gem. Glattfelden) wurden 30 Häuser und die Holzbrücke abgebrochen, Letztere 1919 durch eine dreibogige, verkleidete Betonbrücke ersetzt, der Rhein 1920 8 m hoch gestaut. Seit dem 2. Weltkrieg entwickelt sich E. zur Angestellten- und Pendlergemeinde. Die kath. Minderheit wuchs zwischen 1850 und 2000 von 2% auf 22% (Kirchenbau 1950). Ortsplanung und Bauordnung von 1977 schützen die Kernzonen und beschränken die Bautätigkeit auf die Aussenquartiere. Schulhäuser stehen seit 1876 und 1953 im Städtli, seit 1990 auch in Seglingen.


Literatur
– F. Lamprecht, M. König, E., 1992

Autorin/Autor: Franz Lamprecht