• <b>Weissrussland</b><br>Titelseite des zweiten Bands der Reiseberichte von Johann Bernoulli (1744–1807), erschienen 1779 in Leipzig, der eine Beschreibung der Stadt Grodno enthält  (Schweizerische Nationalbibliothek).

Weissrussland

 © 2000 HLS und Kohli Kartografie, Bern.
© 2017 HLS

Das Gebiet des heutigen W. kam im 14. Jh. zum Grossfürstentum Litauen, das seinerseits 1569 mit dem Königreich Polen vereinigt wurde. Mit den poln. Teilungen 1772-95 wurde W. in das Russ. Reich eingegliedert, wo es insbesondere nach 1863 einer starken Russifizierung ausgesetzt war. Unter der dt. Besatzung riefen die Nationalrevolutionäre am 25.3.1918 die Weissruss. Volksrepublik aus, ihnen folgten am 1.1.1919 die Bolschewisten mit der Proklamation der Weissruss. Sozialist. Sowjetrepublik, welche nach dem poln.-sowjet. Krieg (1920-21) ihre westl. Gebiete an Polen abtreten musste. 1922 wurde W. Unionsrepublik der UdSSR. Im Zuge der Auflösung der Sowjetunion erfolgte am 25.8.1991 die Unabhängigkeitserklärung der Republik W. (Belarus), die von der Schweiz am 23.12.1991 anerkannt wurde. Der Schweizer Botschafter in Polen ist seit 1992 auch in der weissruss. Hauptstadt Minsk akkreditiert, wo seit 2007 ein Botschaftsbüro besteht, während W. eine Botschaft in Muri bei Bern unterhält. 1993 kam es zum Abschluss bilateraler Handels- und Wirtschaftsabkommen. 2011 nahmen die EFTA-Staaten und die Zollunion Russland-W.-Kasachstan Verhandlungen über ein umfassendes Freihandelsabkommen auf.

2012 betrug W.s Importanteil am schweiz. Aussenhandel 6,1 Mio. Fr. oder 0,003% (landwirtschaftl. Produkte, Textil-, Holzverarbeitungs- und chem. Industrie), der Exportanteil belief sich auf 355,3 Mio. Fr. oder 0,2% (Transportmittel, Werkzeugmaschinen und Investitionsgüter). Die staatlich gelenkte Wirtschaft und die restriktiven Steuergesetze hemmen die Investitionstätigkeit in W. Seit 1998 besteht das schweiz.-weissruss. Gemeinschaftsunternehmen JV Mobile Digital Communications.

Unter den europ. Regionen des Russ. Reichs vor 1917 wies W. den zweitniedrigsten Anteil an schweiz. Auswanderern auf. Umgekehrt übte die schweiz. Reformation eine starke Anziehungskraft auf W. aus. Zu den Anhängern des Calvinismus zählten Magnaten und Würdenträger des Landes, u.a. Nikolaus VI. Radziwiłł, der in Brest und Nieswiez prot. Druckereien gründete (1553, 1560). Bei den in der 2. Hälfte des 16. Jh. zahlreich an der Univ. Basel und an der Genfer Akademie immatrikulierten Lituani und Ruteni handelte es sich oft um Studenten aus W. 1615 erschien in Basel postum der Traktat "De moribus Tartarorum, Lituanorum et Moschorum" des Humanisten Michalon Lituanus. Von Johann Bernoulli (1744-1807), der W. 1778 bereiste, stammen Schilderungen der damals bedeutenden Grodnoer Manufakturen und des "Musenhofs" zu Slonim. Der Kampf der Schweizer beim Rückzug des napoleon. Heeres über die Beresina (Gouvernement Minsk) fand in der schweiz. Kunst und Literatur ihren Niederschlag. Tadeusz Kościuszko, poln. Freiheitskämpfer aus W., verbrachte einen Teil seines Exils in der Schweiz. Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jh. befanden sich unter den russ. Studierenden und Emigranten in der Schweiz viele aus W., das zum jüd. Ansiedlungsgürtel des Zarenreichs gehörte (u.a. die Philosophen Anna Tumarkin und Robert Saitschick sowie der erste Staatspräsident Israels, Chaim Weizmann). Zahlreiche schweiz. private, kirchl. und medizin. Organisationen sind mit Hilfsprojekten in dem von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl (Ukraine) besonders betroffenen W. vertreten. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit engagierte sich 2001-10 mit einem Budget von 25 Mio. Fr. in der Sozialmedizin und für die Stärkung der Nichtregierungsorganisationen. Seit 1991 besteht ein Kulturabkommen zwischen W. und dem Kt. Aargau, das die Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Musik und Kunst fördert.

<b>Weissrussland</b><br>Titelseite des zweiten Bands der Reiseberichte von Johann Bernoulli (1744–1807), erschienen 1779 in Leipzig, der eine Beschreibung der Stadt Grodno enthält  (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>
Titelseite des zweiten Bands der Reiseberichte von Johann Bernoulli (1744–1807), erschienen 1779 in Leipzig, der eine Beschreibung der Stadt Grodno enthält (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Literatur
– D. Holtbrügge, W., 1996 (22002)
Hb. der Gesch. W.s, hg. von D. Beyrau, R. Lindner, 2001
– E. Knappe et al., W., 2012

Autorin/Autor: Monika Bankowski-Züllig