Johannes von Segovia

geboren gegen 1395 (Segovia?, Valladolid?),gestorben 24.4.1458 Aiton (Savoyen). Span. Theologe, Hieronymitermönch, Diplomat und Kardinal. Wohl von zum Christentum konvertierten Eltern abstammend, studierte J. ab 1407 in Salamanca. 1422 ist er dort als Professor an der Universität bezeugt. 1421-33 hielt sich J. mehrfach für längere Zeit an der röm. Kurie auf. 1433-49 nahm er am Konzil von Basel teil, an dem er sich zu einem Verfechter der Superiorität des Konzils über den Papst entwickelte, sich der Vorherrschaft des kanon. Rechts über Bibel und Theologie widersetzte, die Wahl des Gegenpapstes Felix V. betrieb, das Konzil an mehreren Reichstagen vertrat und schliesslich zu dessen Geschichtsschreiber wurde. Nach Beendigung des Konzils musste J. auf den Kardinalstitel verzichten; er zog sich ins Kloster Aiton in Savoyen zurück, um sein literar. Werk zu vollenden. Kurz vor seinem Tod vermachte er seine reiche Bibliothek der Univ. Salamanca. Der Stadt Basel schenkte er fünf Prachtsexemplare seiner Hauptwerke, darunter die "Historia gestorum generalis synodi Basiliensis universalem Ecclesiam repraesentantis" sowie die Schrift "De gladio divini spiritus mittendo in corda Saracenorum", in der J. nach dem Fall von Konstantinopel für ein gegenseitiges Verständnis zwischen Christen und Muslimen plädierte. 1456 liess J. den Mufti von Segovia, Yça ibn Jabir, auf eigene Kosten nach Aiton kommen, um gemeinsam den Koran ins Spanische und Lateinische zu übersetzen.


Werke
Liber de magna auctoritate episcoporum in concilio generali, hg. von R. De Kegel, 1995
Literatur
Monumenta Conciliorum generalium seculi decimi quinti 2-4, 1873-1935
– U. Fromherz, J. als Geschichtsschreiber des Konzils von Basel, 1960
– C. Gilly, Spanien und der Basler Buchdruck bis 1600, 1985
LexMA 5, 605
– G. Wiegers, Islamic Literature in Spanish and Aljamiado, 1994
DHGE 27, 621 f.
– A.M. Wolf, Juan de Segovia and Western Perspectives on Islam in the Fifteenth Century, 2003

Autorin/Autor: Carlos Gilly