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Blanchenay, Louis

geboren 2.5.1801 Vevey,gestorben 30.10.1881 Vevey, ref., von Aubonne und Morges. Sohn des Antoine ( -> 1). Ledig. Schulische Ausbildung in Vevey, dann Besuch der Académie de Genève (Philosophie). 1828 Appellationsrichter, 1837-39 Forstinspektor des 2. Arrondissements. Als Mitglied der im Entstehen begriffenen radikalen Partei wurde er 1839 in den Grossen Rat und anschliessend in den von den Liberalen dominierten Staatsrat gewählt, wo er an die Seite von Henri Druey trat. Im Gegensatz zur Mehrheit der liberalen Staatsräte, die einem strikten Föderalismus anhingen, befürwortete er eine gesamteidg. Lösung bezüglich der Ausweisung der Jesuiten aus der Schweiz. Er nahm aktiv an der Revolution vom Febr. 1845 teil und unterstützte vorbehaltlos das Vorgehen von Druey, als dessen rechte Hand und Stellvertreter er galt. Er wurde in die provisor. Regierung berufen, sass dann bis 1861 im Staatsrat, wo er, den damaligen Usancen gemäss, der Reihe nach alle Departemente betreute. Dem linken Flügel der radikalen Partei zugehörig, sprach er sich dem Egalitätsprinzip entsprechend für die Einführung einer progressiven Einkommenssteuer aus. Daneben trat er für staatl. Interventionen beim Eisenbahnbau ein, den er unter kant. Obhut wissen mochte. Er nahm an der Gründung der Waadtländer Kantonalbank teil, von Anfang an (1845) sass er dem Obersten Komitee vor, dann dem Generalrat und dem Kontrollkomitee. Er war ebenfalls Präs. der Salinen von Bex (1840-45). Angesichts der zunehmend feindlicheren Haltung der konservativ gesinnten Landbevölkerung gegenüber den Idealen von 1845 verliess er die Regierung und übernahm die Leitung der Lausanner Zollabteilung (1861-73). 1848-60 sass er im Nationalrat, wo er namentlich in Eisenbahnfragen hervortrat. 1838 Oberstleutnant der Infanterie.


Literatur
– Gruner, Bundesversammlung 1, 775 f.
– A. Lasserre, Finances publiques et développement, 1981

Autorin/Autor: Laurent Tissot / EB