Tavannes

Polit. Gem. BE, Bez. Moutier, Verwaltungskreis Berner Jura. T. liegt an der Quelle der Birs im Birs- oder Orvaltal. 866 Tehisvenna, dt. früher Dachsfelden. 1629 325 Einw.; 1745 287; 1850 672; 1900 1591; 1950 3650; 1960 3939; 2000 3373. Das Gebiet von T. wurde schon in antiker Zeit von der röm. Strasse durchquert, die durch das Felsentor am Pass Pierre Pertuis führte. Bei La Tanne wurden Reste einer hochma. Strasse gefunden. 866 bestätigte Lothar II. der Abtei Moutier-Grandval alle ihre Güter, darunter T. mit seiner Kapelle. Bis 1797 war T. eine Meierei der Propstei Moutier-Grandval im Fürstbistum Basel. Unter franz. Herrschaft 1798-1813 gehörte der Ort zum Dep. Mont-Terrible bzw. Haut-Rhin. 1815 wurde er bernisch und bildete fortan einen Teil des Oberamts bzw. Amtsbez. Moutier. Um 1147 schenkte der Bf. von Basel der Abtei Bellelay mehrere Pfarreien, u.a. auch jene von T. Die Abtei behielt den Kirchensatz bis 1798. Guillaume Farel führte 1530 die Reformation ein; die Kirchgemeinde T.-Chaindon trennte sich erst 1908 auf. Die 1385 geweihte Kirche Saint-Etienne wurde 1728 vergrössert. Die kath. Kirche Christ-Roi stammt von 1930. Seit 1865 bestehen in T. eine Einwohner- und eine Burgergemeinde. Nachdem T. 1874 ans Eisenbahnnetz angeschlossen worden war, setzte in den 1890er Jahren eine späte, aber ungestüme Industrialisierung ein. Die Gründung der Tavannes Watch Co. 1895 machte aus dem Dorf ein Uhrenindustriezentrum von nationaler Bedeutung. Die 1900-30 im Jugend- oder Heimatstil erbauten Häuser verliehen dem Ort städt. Charakter. Das 1918 eröffnete und 2008 restaurierte Kino Royal wurde zu einem wichtigen regionalen Kulturzentrum. Die Bevölkerung nahm infolge der Betriebsschliessungen der Tavannes Watch 1966 und deren Werkzeugmaschinenfabrik 1986 zeitweise deutlich ab; erst nach der Eröffnung der Autobahn A16, der Transjurane, 1996 stiegen die Einwohnerzahlen wieder an.


Literatur
– C. Gigandet, «L'Eglise réformée gardienne des mœurs: le premier livre du consistoire de T.-Chaindon (1693-1794)», in Actes SJE, 1993, 305-314
– C. Gerber, «T., La Tanne», in Archäologie Bern, 2008, 86 f.
Intervalles, 2011, Nr. 89

Autorin/Autor: Christine Gagnebin-Diacon / ANS