Schweizerische Volksbank (SVB)

1869 wurde die SVB von Vertretern aus Arbeiter-, Beamten- und Gewerbekreisen unter dem Namen "Volksbank in Bern" gegründet. Der statutar. Zweck der Genossenschaft bestand nach dem Vorbild der dt. Vorschuss- und Kreditvereine in der Förderung des allg. Wohlstands und speziell desjenigen der Genossenschafter. Ursprünglich sollte die SVB nur Darlehen an Mitglieder gewähren, doch schon bald nach der Gründung vergab sie auch Kredite an Nichtmitglieder und dehnte die Tätigkeit auf alle Arten des Bankgeschäfts aus. Die SVB nahm in den 1870er Jahren einen regen Aufschwung und eröffnete mehrere Filialen inner- und ausserhalb des Kt. Bern. 1881 änderte sie ihren Namen in S. Nach Rückschlägen während der Wachstumskrise der 1880er Jahre dehnte sich das Geschäft ab Mitte der 1890er Jahre stark aus. Die Zeit des 1. Weltkriegs überstand die SVB ohne nennenswerte Schwierigkeiten. Bis 1930 avancierte sie zur zweitgrössten Bank der Schweiz (1930: Bilanzsumme 1,684 Mrd. Fr., Reingewinn 10,6 Mio. Fr.; Beschäftigte 1'639). In der Wirtschaftskrise geriet sie jedoch in Schieflage und stand im Herbst 1933 vor dem Zusammenbruch. Die Eidgenossenschaft beteiligte sich darauf mit 100 Mio. Fr. am Genossenschaftskapital, das in der Folge zweimal halbiert werden musste. 1936 liquidierte die Bank unter Verlusten fast ihr gesamtes Auslandgeschäft. Erst nach 1945 begann für die SVB ein langsamer Aufschwung. Die 1960er Jahre waren von starkem Wachstum geprägt (1970: Bilanzsumme 6,591 Mrd. Fr.; Reingewinn 34,1 Mio. Fr.; Beschäftigte 3'500). Ab 1975 reaktivierte die SVB mit der Gründung einer Tochtergesellschaft in Luxemburg ihr Auslandengagement. Anfang der 1980er Jahre geriet sie durch hohe Verluste bei Silbertermingeschäften in die Schlagzeilen. Der an der Substanz zehrende Wertberichtigungsbedarf, der sich für die SVB aus der Immobilienkrise seit Beginn der 1990er Jahre ergab, führte 1993 zur Übernahme der Bank (1990: Bilanzsumme 44,606 Mrd. Fr.; Reingewinn 110,8 Mio. Fr.; Beschäftigte 6'355) durch die CS Holding (heute Credit Suisse Group, Schweizerische Kreditanstalt).


Literatur
100 Jahre Schweiz. Volksbank, 1969
Handbook on the History of European Banks, 1994

Autorin/Autor: Jan-Henning Baumann