Schweizerischer Bankverein (SBV)

1854 bildeten sechs Privatbankiers in Basel unter dem Namen Bank-Verein ein Konsortium, um Industrie- und Eisenbahnprojekte zu finanzieren. Aufgrund des wirtschaftl. Aufschwungs und des steigenden Kapitalbedarfs nach dem Dt.-Franz. Krieg gründete die Gruppe unter Mithilfe von dt. und österr. Kapital 1872 den Basler Bankverein. 1895 fusionierte die Bank mit dem Zürcher Bankverein, 1896 mit der Unionbank in St. Gallen, 1897 mit der Basler Depositen-Bank und nannte sich fortan SBV. Mit der Eröffnung von Filialen und der Übernahme der Banque d'Espine, Fatio & Cie. in Genf 1906, der Bank Fratelli Pasquali in Chiasso 1908 und der Banque d'escompte et de dépôts in Lausanne 1912 expandierte er als Universalbank in die ganze Schweiz. Die internat. Ausrichtung unterstrich 1898 die Eröffnung einer Niederlassung in London und 1939 in New York. 1945 übernahm der SBV die wichtigsten Geschäftsbereiche der Basler Handelsbank, seit 1863 seine Konkurrentin im Emissionsgeschäft. Mit der wachsenden Verflechtung der internat. Finanzmärkte folgte in den 1950er und 60er Jahren ein Ausbau der Auslandspräsenz v.a. in den USA, aber auch in Asien und Lateinamerika. Immobilienkrise und Deregulierung des Bankensektors in der Schweiz zu Beginn der 1990er Jahre zwangen die Grossbanken zu einer strateg. Neuausrichtung. Während der SBV die Hauptgeschäftsfelder des Retail Bankings und des Privat- und Firmenkundengeschäfts in der Schweiz weiterpflegte, verfolgte er im Ausland eine aggressive Expansionspolitik im Investment Banking, im institutionellen Asset Management und in der Vermögensverwaltung: So übernahm er 1992 die auf Derivate und Risikomanagement spezialisierte amerikan. Firma O'Connors & Associates, revolutionierte das eigene Risikomanagement und erwarb mit der Londoner Merchant Bank S.G. Warburg 1995 in Europa und Australien eine grössere Kundenbasis im Investment-Banking. Dagegen vermochte der SBV in den USA trotz Übernahme eines Vermögensverwalters 1994 und einer Investment Bank 1997 nie richtig Fuss zu fassen. 1998 stellte die Fusion mit der Schweizerischen Bankgesellschaft zur UBS den Aufstieg zu einem führenden globalen Finanzinstitut sicher.


Literatur
S. 1872-1972, 1972
125 Jahre Basler Handelsbank (1863-1988), [1988]
Handbook on the History of European Banks, 1994
– P.G. Rogge, Die Dynamik des Wandels: S. 1872-1997, 1997
– M. Mazbouri, L'émergence de la place financière suisse (1890-1913), 2005

Autorin/Autor: Peter Püntener