Migros

Die M. entstand 1925; sie basierte auf der Geschäftsidee Gottlieb Duttweilers, Lebensmittel billiger zu verkaufen, indem der Zwischenhandel umgangen, grosse Mengen günstig eingekauft, die Lagerkosten niedrig gehalten und nur minimale Verkaufsmargen auf die Einkaufspreise geschlagen werden. Anfänglich fuhren Verkaufswagen mit sechs Artikeln des tägl. Bedarfs (Kaffee, Reis, Zucker, Teigwaren, Kokosfett, Seife) zu den Kunden. Duttweiler setzte auf Qualität und Frische sowie auf einfache, einheitl. Verpackungen. 1926 wurde in Zürich der erste Laden eröffnet und ab 1948 schrittweise die Selbstbedienung eingeführt. 1970 kamen die durch das Signet MMM gekennzeichneten Einkaufszentren auf. 1996 wurde die Billiglinie M-Budget geschaffen, 2005 die exklusive Linie Sélection.

1941 wurden die privatrechtl. regionalen M.-Aktiengesellschaften in selbstständige Regionalgenossenschaften umgewandelt und im M.-Genossenschafts-Bund (MGB) zusammengeschlossen. Massgebend für diese Änderung waren Prinzipien, die sich von der Idee des "sozialen Kapitals" herleiten. Deren Umsetzung kontrollierte die 1956 gegr. Gottlieb-und-Adele-Duttweiler-Stiftung; auf polit. Ebene setzte sich 1935-99 der Landesring der Unabhängigen für dieses Gedankengut ein. Eine Besonderheit der M. ist der Verzicht auf den Verkauf von Alkohol und Tabakwaren in den eigenen Läden. Ab 1941 verwendete Duttweiler einen Teil des Gewinns für nicht kommerzielle Zwecke, und 1957 wurde in den Statuten das Kulturprozent festgeschrieben. 2006 schloss sich die M. dem von der UNO ins Leben gerufenen Global Compact an, womit sie sich bei der Unternehmensführung zur Einhaltung gewisser sozialer und ökolog. Standards verpflichtete.

2007 umfasste der MGB zehn Regionalgenossenschaften, beschäftigte über 82'000 Personen und gehörte über 2 Mio. Genossenschaftern (1945 ca. 7'500). 2005 verfügte die M. über 15 Produktionsbetriebe (u.a. Jowa-Bäckereien, Bischofszell Nahrungsmittel AG, Chocolat Frey AG) mit rund 10'000 Angestellten. Damit besitzt sie als eine der wenigen europ. Detailhandelsgruppen noch ihre eigenen Industrieunternehmen, die früher wegen des Boykotts der Markenhersteller für sie unabdingbar waren.

1997 erwarb der MGB die Aktienmehrheit von Globus. Durch die Zusammenarbeit mit Le Shop (2003) erreichte die M. eine führende Stellung im Schweizer Online-Detailhandel. 2007 genehmigte die Wettbewerbskommission den Kauf des Mehrheitsanteils an Denner nur unter Auflagen, denn die M. und ihr Hauptkonkurrent Coop kontrollierten damals zusammen etwa 70% des schweiz. Lebensmittelmarkts. Der Konzern hat auch im Ausland Fuss gefasst (1993 Einkaufszentren in Thoiry und 1994 in Etrembières vor den Toren Genfs, drei Verkaufsstellen in Deutschland). M. Berlin hatte nur 1932-33 Bestand. Die 1954 entstandene M. Türk hat ausser ihrem Namen seit 1975 keinerlei Beziehungen mehr zum MGB.

Die "M.-Welt" umfasst u.a. auch die Klubschulen (1944), die "Bildung für alle" günstig vermitteln, den Reiseveranstalter Hotelplan (1935), das Buch- und Medienhandelsunternehmen Ex Libris (1950), die Migrol-Tankstellen (1957), eine Bank (1957), die seit 2006 eine eigene Kreditkarte herausgibt, die Secura Versicherungen (1958, von der Generali Schweiz Holding 1999 übernommen), die Parks Im Grüene in Rüschlikon (1946), Pré-Vert du Signal de Bougy (1971), Münchenstein und auf dem Gurten (Wabern) sowie die Wochenzeitung "Brückenbauer". Die M. war bis in die 1960er Jahre heftig umstritten. Seitdem bildet sie einen festen Bestandteil des Alltags.


Literatur
– A.A. Häsler, Das Abenteuer M., 1985
– K. Girschik et al., Der M.-Kosmos, 2003

Autorin/Autor: Ingrid Liebeskind Sauthier / EM