Oerlikon-Bührle

1906 übernahm die Schweiz. Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon (SWO) die Werkzeugmaschinenfabrikation der Maschinenfabrik Oerlikon. Die SWO wurde 1937 vom dt. Industriellen Emil Georg Bührle übernommen und in Werkzeugmaschinenfabrik O. & Co. (ab 1964 O.) umbenannt. In der Folge baute er die Firma zu einem international führenden Unternehmen im Bereich Maschinen- und Waffenfabrikation aus. Bereits in den 1920er Jahren waren zur Maschinenfabrikation erste wehrwirtschaftl. Erzeugnisse hinzugekommen, 1936 wurden diese Rüstungsgeschäfte in der Gesellschaft Contraves zusammengefasst. 1939 gehörte Emil Georg Bührle zu den Mitgründern der Pilatus Flugzeugwerke in Stans. Namentlich die Waffenexporte der O. ins Dritte Reich vor und während des 2. Weltkriegs sorgten bereits 1943 für hohes Aufsehen, als Bomben der Alliierten bei der O. einschlugen. Gegen Kriegsende fiel der Umsatz von 178 Mio. Fr. (Geschäftsjahr 1942/43) auf 40 Mio. Fr. (1944/45).

1970 wurde Konzernchef Dieter Bührle wegen illegalen Waffenausfuhren nach Südafrika (1963) sowie Nigeria (1967) zu einer bedingten Gefängnisstrafe und einer Busse verurteilt. In den 1960er und vermehrt in den 70er Jahren diversifizierte die O. in zivile Bereiche. 1973 wurden die versch. Gesellschaften in einer Holding zusammengefasst. Zu dieser gehörte ab 1976 die liechtenstein. Firma Balzers, die 1995 mit der dt. Leybold fusionierte (Balzers und Leybold) sowie ab 1977 der Schuhhersteller Bally. Ferner verfügte die O. im In- und Ausland über Beteiligungen in Hotellerie, Textilfirmen sowie Immobiliengeneralunternehmungen. Mit 37'000 Beschäftigten erreichte der Personalbestand 1980 seinen Höchstwert, 1984 erzielte das Unternehmen einen Rekordumsatz von 5 Mrd. Fr. Ende der 1980er Jahren sorgte jedoch die Entwicklung des Fliegerabwehrsystems Adats für grosse Konzernverluste. 1999 trennte sich die O. vom Rüstungsbereich der Contraves, von Bally sowie von ihrem Immobiliengeschäft. 2000 verkaufte sie auch die Pilatus Flugzeugwerke, um sich auf das Kerngeschäft Technologie bzw. auf die Balzers und Leybold zu konzentrieren. Im gleichen Jahr folgte die Umbenennung des Unternehmens in Unaxis. 2005 verkaufte die Fam. Bührle ihre Beteiligung am Konzern. Es folgten jurist. Streitigkeiten um einen weiteren Namenswechsel in OC Oerlikon (seit 2006) sowie eine öffentl. Kontroverse um die Übernahme des Unternehmens durch ausländ. Investoren. 2006 wurde die Firma Saurer in den Konzern integriert.


Literatur
– D. Heller, Zwischen Unternehmertum, Politik und Überleben, 2002
Veröff. UEK 11
NZZ, 9.6.2005
– G. Kreis, Die Schweiz und Südafrika 1948-1994, 2005

Autorin/Autor: Thomas Gmür