Schweizerische Industrie-Gesellschaft (SIG)

1853 gründeten Friedrich Peyer im Hof, Heinrich Moser und Johann Conrad Neher eine Waggonfabrik in Neuhausen am Rheinfall, die mit 150 Beschäftigten von Anfang an ein Grossunternehmen war. 1860 begann die Firma, die 1863 den Namen SIG annahm, mit der Herstellung von Waffen. Das von Friedrich Vetterli entwickelte Repetiergewehr, das sog. Vetterli-Gewehr, wurde 1869 Schweizer Ordonnanzwaffe. Ab 1906 stellte die SIG zudem Verpackungsmaschinen für Nahrungsmittel her. Im 1. Weltkrieg verlagerte das Unternehmen seine Produktion vorübergehend vom Eisenbahn- in den Waffenbereich. 1918-55 fertigte die SIG auch Automobile. Im 2. Weltkrieg lieferte die Firma hauptsächlich an die Schweizer Armee und an den Waffenfabrikanten Emil Georg Bührle, der 1951 erfolglos versuchte, die SIG zu übernehmen. Für die Schweizer Armee entwickelte die SIG die Sturmgewehre 57 und 90 sowie versch. Pistolen. 1971 wurde die Lenzburger Sportwaffenfabrik Hämmerli übernommen. Die Sparte Rollmaterial lieferte 1969 den 25'000. Eisenbahnwaggon aus. Ab 1986 beschränkte sie sich auf einzelne Komponenten für Waggons. Die Verpackungsmaschinenfabrik wurde 1965 nach Beringen verlegt. 1989 stieg die SIG mit der Übernahme der dt. Pack- und Kunststoffwerke Linnich (Nordrhein-Westfalen) in den Bereich Flüssigverpackungen ein. Danach konzentrierte sie sich auf Verpackungsmaschinen und tätigte zahlreiche Firmenkäufe und -verkäufe. Das Rollmaterialgeschäft ging an Fiat (später an Alstom), das Waffengeschäft an dt. Investoren. Das Unternehmen beschäftigte 1900 857, 1930 1'518 und 2003 9'014 Arbeiter; 2003 erzielte es 3 Mrd. Fr. Umsatz. 2007 erwarb die neuseeländ. Rank-Gruppe die SIG und nahm die Firma von der Börse. Das Unternehmen stellte zu Beginn des 21. Jh. unter dem Namen SIG Combibloc Group Kartonverpackungen und Maschinen für asept. Verpackungen her (2008 4'000 Beschäftigte).


Literatur
SchaffGesch. 1, 228-495
Schaffhauser AZ, 15.6.2006
– C. Koller, «Kriegs- oder Friedensgewinnler?», in Der vergessene Wirtschaftskrieg, hg. von R. Rossfeld, T. Straumann, 2008, 225-257

Autorin/Autor: Adrian Knoepfli