Anglo-Swiss Condensed Milk Co.

Die A. wurde 1866 als erste Kondensmilchfirma in Europa von einer Gruppe Amerikanern und einem Schweizer mit 100'000 Fr. Aktienkapital gegründet. Als Firmensitz und Produktionsstätte wurde Cham ausgewählt, wo nicht nur eine geeignete Liegenschaft mit reichl. Wasser günstig zu mieten war, sondern auch Milch, Arbeitskräfte und eine Bahnstation zur Verfügung standen. Nach anfängl. Schwierigkeiten und diversen Umbesetzungen im Verwaltungsrat führten die amerikan. Brüder George und Charles Page die A. zum Erfolg. Neben dem Hauptwerk in Cham (in Betrieb 1866-1933) folgten Fabrikgründungen in Düdingen (1872-1917), Gossau (SG) (1872-74), Flamatt (1877-78) und Egnach (1902-06). Allein in Cham verarbeiteten im Spitzenjahr über 400 Arbeiter, oder etwa jeder siebte Einw. Chams, tägl. 66'000 kg Milch von rund 1'300 Bauernbetrieben aus der Umgebung. Die Südi (Siederei) wurde damit zur bedeutendsten Arbeitgeberin der Gem., das Unternehmen insgesamt zu einem der grössten Milchnachfrager der Schweiz. Ihr Einfluss auf die Landwirtschaft im Einzugsgebiet ihrer Fabriken zeigte sich in einer beschleunigten Spezialisierung auf die Milchwirtschaft und einer stärkeren Beachtung von Hygieneregeln im Umgang mit Milch. Die A. war von Beginn weg stark internat. ausgerichtet und eröffnete ab 1874 wegen der zunehmenden Zollschranken immer mehr Fabriken im Ausland, um die regionale Nachfrage insbes. im Hauptabsatzgebiet England direkt zu befriedigen. Vom guten Ruf der Schweizer Milch profitierend, vertrieb sie weltweit gezuckerte Kondensmilch unter der Marke "Milchmädchen" und seit 1878 in harter Konkurrenz zur Firma S.A. Henri Nestlé, Vevey, auch ein Mehl für Kindernahrung. Auf gleichwertiger Basis fusionierten die beiden Firmen 1905 zur Nestlé & Anglo Swiss Condensed Milk Co. (1977 Nestlé) unter Beibehaltung ihrer Firmensitze und Markenzeichen.


Archive
– Archives historiques Nestlé, Vevey
Literatur
– J. Heer, Nestlé, 1991
– C. Bürgi, Goldene Zeiten -- Krisenzeiten, 1993, 91-102
– H. Steiner, Vom Städtli zur Stadt Cham, 1995, (mit Bibl.)

Autorin/Autor: Albert Pfiffner