Ravensburger Gesellschaft

Die zwischen ca. 1380 und 1530 tätige R. gehörte zu den grössten oberdt. Handelsgesellschaften des SpätMA. Sie exportierte hauptsächlich einheim. Textilien, Metalle und Metallprodukte, Felle und Leder und importierte v.a. Luxusgüter wie Gewürze, Zucker, Reis, südländ. Früchte und Edelsteine. Handelsbeziehungen, die häufig durch eigene Kontoren unterstützt wurden, bestanden zu Italien, Spanien, Frankreich wie auch zu den Städten Brügge, Antwerpen und London. Auch im Osten Europas lassen sich Handelstätigkeiten feststellen. Im Gebiet der heutigen Schweiz war die Gesellschaft - nicht zuletzt aufgrund der geogr. Lage der Eidgenossenschaft als Transitland zwischen Nord und Süd - an mehreren Orten vertreten. Speziell zur Stadt St. Gallen, einem bedeutenden Zentrum der Leinwandproduktion, pflegte die R. enge Beziehungen. Sie benutzte die städt. Bleichen und handelte mit St. Galler Leinwand. Wegen ihrer verkehrsgeogr. Lage spielte auch die Stadt Bern eine wichtige Rolle für die R.; zeitweise unterhielt die Gesellschaft sogar einen Kommissionär für die Vertretung ihrer Interessen innerhalb der Stadt (u.a. Hans Fränkli und Anton Archer). V.a. unter dem Einfluss Berns setzte sich die Eidgenossenschaft aussenpolitisch wiederholt für die Gesellschaft ein (beim Kg. von Frankreich, aber auch in Savoyen und Italien). Auch in den Städten Zürich und Luzern waren wichtige Teilhaber der Gesellschaft tätig. In Genf arbeitete ab 1454 ein Faktor für die R. Mit der Entfremdung der Eidgenossenschaft vom Reich von der 2. Hälfte des 15. Jh. an und besonders mit dem Schwabenkrieg 1499 verschwanden die Schweizer Teilhaber aus der Gesellschaft.


Literatur
– A. Schulte, Gesch. der grossen Ravensburger Handelsgesellschaft 1380-1530, 3 Bde., 1923, (Nachdr. 1964)
– J.-F. Bergier, Genève et l'économie européenne de la Renaissance, 1963, 347 f.
LexMA 7, 488 f.
– A. Meyer, «Die Grosse Ravensburger Handelsgesellschaft in der Region», in Kommunikation und Region, hg. von C.A. Hoffmann, R. Kiessling, 2001, 249-304

Autorin/Autor: Oliver Landolt