No 32

Tobler, Titus

geboren 25.6.1806 Stein (AR), gestorben 21.1.1877 München, begraben Wolfhalden, ref., von Wolfhalden. Sohn des Johannes, Pfarrers, und der Elisabeth geb. Hörler. Ledig. Kantonsschule Trogen, ab 1823 Stud. der Medizin am chirurg. Institut in Zürich, 1825 an der Univ. Wien und 1826 an der Univ. Würzburg, 1827 Promotion, Weiterbildung in Paris. Ab 1827 Arzt in Teufen (AR), ab 1834 in Walzenhausen, Lutzenberg und ab 1840 in Horn. Der radikaldemokratisch gesinnte T. regte mit seiner Streitschrift "Der Rath am Falkenhorst" (1830) die Revision der Kantonsverfassung von Appenzell Ausserrhoden an und war ab 1831 Revisionsrat. In den 1850er Jahren wirkte er im Kt. Thurgau als Mitglied des Verfassungsrats und sass 1853-57 für den Kt. Appenzell Ausserrhoden im Nationalrat. Neben polit.-journalist. Schriften verfasste T. auch Beiträge zu medizin. Themen sowie das Volksbuch "Die Hausmutter" (1830) und arbeitete am "Dt. Wörterbuch" von Jacob und Wilhelm Grimm mit. Ein bis heute anerkannter Beitrag zur frühen alemann. und dt. Mundartforschung ist das Werk "Appenzell. Sprachschatz" (1837), das als Grundlegung eines hist. Mundartwörterbuchs gilt. Verdienste erwarb sich T. v.a. in der Palästinaforschung, indem er in zehn forschungsgeschichtlich bedeutenden Werken alle in Europas Bibliotheken zugängl. Quellen mit seinen 1835, 1845-46, 1857-58 und 1868-69 auf vier Palästinareisen erworbenen Beobachtungen beschreibend verband und wichtige Quellentexte aus der europ. Pilgerliteratur edierte. 1871 zog er nach München.


Archive
– StAAR
– StA Nürnberg
Literatur
– H.J. Heim, Dr. Titus T., der Palästinafahrer, 1879
– Gruner, Bundesversammlung 1, 524 f.
– H.R. Hinderling, S. Sonderegger, «Titus T. (1806-1877)», in AJb 121, 1993, 5-94

Autorin/Autor: Max Küchler