10/11/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Fabrique-Neuve de Cortaillod

Die 1752 von Claude-Abram DuPasquier und Jean-Jacques Bovet in Cortaillod gegründete F. ist ein Beispiel für die Industrie der Indiennes (Zeugdruck), einem der führenden Bereiche in der 1. industriellen Revolution. Die Firma florierte und wuchs bis Ende der 1790er Jahre; sie war für die von Jacques Louis de Pourtalès geleitete Neuenburger Handelsgesellschaft tätig, die jährlich für mehr als eine Million Pfund weissen Stoff und Färbeprodukte lieferte. Die gedruckten Stoffe wurden vor allem in Frankreich, Deutschland und Italien abgesetzt. Die F. beschäftigte bis zu 800 Arbeiter, die meisten in Cortaillod selbst, die übrigen verstreut im Waadtland und im Kt. Freiburg (südl. Ufer des Neuenburgersees). Sie produzierten jährlich 600'000 m2 bedruckte und handbemalte Stoffe. In den Jahren 1780-90 war die F. eine der bedeutendsten modernen Manufakturen aller Industriezweige in Europa. Sie führte ab 1810 die Rollendruckmaschine ein, doch der Absatzmarkt wurde durch den aufkommenden europ. Protektionismus beschränkt. Die Fabrik fand neue Absatzmärkte von Rio de Janeiro bis Kalkutta, von New York bis Alexandria, aber die Transport- und Wechselkosten drückten auf die Margen. Der Umsatz und der Personalbestand nahmen bis 1854 kontinuierlich ab; in diesem Jahr liquidierte Henri DuPasquier, der letzte Nachkomme des Gründers, die Firma.


Archive
– AEN, Fonds
Literatur
– P. Caspard, La F., 1752-1854, 1979
– P. Caspard, «Les pinceleuses d'Estavayer», in SZG 36, 1986, 121-156

Autorin/Autor: Pierre Caspard / CN