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Malleray

Ehemalige politische Gemeinde BE, Amtsbezirk Moutier, Verwaltungskreis Berner Jura, seit 2015 zusammen mit Bévilard und Pontenet Teil der neuen Gemeinde Valbirse. Dorf im Tal von Tavannes entlang der Birs. 1179 Malareia, dt. früher Mallaraya. 1850 471 Einw.; 1900 1'224; 1950 1'435; 1970 1'969; 2000 1'854. Im 14. und 15. Jh. sind die Edlen von M. bezeugt, vielleicht eine Seitenlinie derer von Tavannes; im 15. Jh. besassen die Marschalk von Delsberg Güter in M. 1367 versuchte der Bf. von Basel, Johann von Vienne, Biel zum Verzicht auf einen Burgrechtsvertrag mit Bern zu zwingen; seine Truppen wurden aber in M. von einem solothurn. Kontingent geschlagen, das den bern. Soldaten zu Hilfe gekommen war. Der Propst von Moutier-Grandval hielt die Mühle von M. als Lehen des Bischofs, bis dieser Ende des 16. Jh. die Herrschaftsrechte über Moutier-Grandval wieder erwarb. Der Bischof besass in M. auch ein Kornhaus (1571, zerstört 1893) zur Lagerung der Zehnten. M. war ein Meieramt der sog. Propstei Moutier-Grandval, die ab Ende des 16. Jh. eine Vogtei des Bistums Basel bildete, und gehörte dann 1797-1813 zum franz. Departement Mont-Terrible bzw. Haut-Rhin, bis es 1815 an den Kt. Bern überging (Vogtei, dann Amtsbez. Moutier). Die Bewohner von M. waren nach Bévilard (Kirche Saint-Georges) kirchgenössig, nur 1531-71 zählte M. zur Pfarrei Court. Die Ansiedlung der Uhrenindustrie ab 1846 sowie der Bau der Eisenbahnlinie Tavannes-Moutier 1874-77 führten zu tief greifenden Veränderungen der Gemeindestruktur: Das von Bauern- und Gewerbebetrieben geprägte Dorf wandelte sich zu einer (Uhren-)Industriegemeinde und verzeichnete einen markanten Bevölkerungsanstieg. Der 2. Sektor (Maschinen, Präzisionsinstrumente, Drehteile, Uhren) stellte 2005 mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze in Malleray.


Literatur
– C. Frey, Histoire et chronique de M., 1926 (Neudr. 1979)
Panorama du Pays jurassien 3, 1983, 210-221
– V. Steingruber, Recensement architectural de la commune de M., 2005

Autorin/Autor: Pierre-Olivier Léchot / AHB