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Joris, David

geboren um 1501/02 Flandern, gestorben 25.8.1556 Basel, spiritualist. Täufer. ∞ 1524 Dirkgen Willems. Glasmaler, ab 1524 in Delft, 1528 als Anhänger der Reformation verbannt. Beeindruckt vom Märtyrertum vieler Täufer liess sich J. 1534/35 taufen und wurde nach dem Fall des Täuferreichs zu Münster 1535 neben Menno Simons zum wichtigsten Führer der Bewegung in den Niederlanden. Wegen seines ekstat. Spiritualismus und seiner wachsenden Bereitschaft zu äusserl. Anpassung an die Grosskirchen verlor J. ab 1540 gegenüber Simons an Einfluss. 1544 siedelte er unter dem Pseudonym Jan van Brügge mit grossem Anhang unerkannt nach Basel über, wo er sich als verfolgter Calvinist ausgab und dank seines Reichtums gern aufgenommen wurde. Äusserlich angepasst, pflegte J. weiterhin intensive europaweite Kontakte mit seinen ihn finanziell unterstützenden Anhängern. Zusammen mit Nonkonformisten wie Sebastian Castellio und Celio Secondo Curione setzte sich J. für grössere Toleranz ein. Das Bekanntwerden der wahren Identität von J. führte 1559, drei Jahre nach seinem Tod, zur Verbrennung seines Leichnams sowie vieler Bücher und Bilder. Eine Nachwirkung seiner Schriften, die z.T. in der Basler Universitätsbibliothek lagern, ist speziell im radikalen Pietismus feststellbar.


Archive
– UBB
Literatur
– P. Burckhardt, «David J. und seine Gem. in Basel», in BZGA 48, 1949, 5-106
– A. Berchtold, Bâle et l'Europe 1, 1990, 541-546
– H. Jecker, Ketzer - Rebellen - Heilige, 1998, 46-48
TRE 17, 238-242

Autorin/Autor: Hanspeter Jecker