Nelkenmeister

Name für eine Gruppe anonymer Maler, die ihre ausschliesslich sakralen Werke mit jeweils zwei Nelken in roter und weisser Farbe zeichneten. Ihre Tätigkeit ist zwischen 1479 und 1510 in Werkstätten in Solothurn, Bern, Baden und Zürich nachzuweisen. Grösstes und frühestes erhaltenes Werk ist der Hochaltar der Franziskanerkirche in Freiburg, ausgeführt von einer Basler Werkstatt in Solothurn. Zentrum der N. in den späten 1480er und 90er Jahren war Bern, wo wohl zwei Malerwerkstätten sämtliche nachweisbaren Grossaufträge für Wandmalereien und mehrere Altarretabel ausführten. Die hier tätigen Hauptmeister waren stark in der Basler Malerei verwurzelt. Von dieser abweichende Stileinflüsse zeigen sich in der etwas später zu datierenden Badener- bzw. Zürcher Tradition, z.B. bei Hans Leu dem Älteren. Vieles weist darauf hin, dass das Blumensymbol zum Zeichen einer eidg. Malergeneration wurde, die ihr Schaffen selbstbewusst von der Produktion in den Nachbarländern absetzen wollte. Die Beschränkung auf sakrale Themen, das traditionelle Vorgehen unter Wahrung der Anonymität und der Stolz auf hochstehendes handwerkl. Können kennzeichnen diese ma. Maler an der Schwelle zur Neuzeit.


Literatur
– C. Gutscher-Schmid, Nelken statt Namen, 2007

Autorin/Autor: Charlotte Gutscher-Schmid