14/06/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken
No 5

Bertoni, Mosè Giacomo

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geboren 15.6.1857 Lottigna,gestorben 19.9.1929 Foz do Iguaçú (Brasilien), begraben Puerto Bertoni (Paraguay), von Lottigna. Sohn des Ambrogio ( -> 1). Bruder des Brenno ( -> 2). Cousin des Luigi ( -> 4). ∞ Eugenia Rossetti. In Amerika auch als Moisés Santiago B. bekannt. Stud. der Rechte in Zürich und der Naturwissenschaft in Genf. Im März 1884, kurz vor seinem Abschluss in Botanik, emigrierte B. mit seiner Fam. und einigen Bauern aus dem Bleniotal nach Argentinien, um eine landwirtschaftl. und wiss. Kolonie zu gründen, die anarchosozialist. Ideen verwirklichen würde. Dieses Ziel musste er jedoch aufgeben, da er von seinen Weggefährten im Stich gelassen wurde. 1887 zog er nach Paraguay und liess sich 1893 in der Nähe der Iguazú-Fälle nieder. Dort, am Ufer des Paraná-Flusses, schuf er die Kolonie Guillermo Tell, an der Stelle des heutigen Ortes Puerto Bertoni. 1894 gründete B. in Asunción die Nationale Landwirtschaftsschule, die er bis 1904 leitete; danach zog er wieder nach Puerto Bertoni. Mitten im Wald am oberen Lauf des Paraná beschäftigte er sich fortan mit Botanik, Meteorologie, Agronomie, Geografie, Zoologie und Ethnografie. Die rastlose Aktivität in der Forschung und Vermittlung wurde bald wichtiger als die Tatkraft des Siedlers. Puerto Bertoni wurde dadurch zu einer agronom. und wiss. Station mit vielen internat. Beziehungen. Die vielköpfige Fam. arbeitete mit. 1918 richtete B. eine Druckerei (Ex Sylvis genannt) ein, wo einige seiner wichtigsten Werke erschienen. Ab 1915 geriet die ganze Region in eine lang dauernde Wirtschaftskrise, die auch die Kolonie nicht verschonte: Es fehlte an den nötigen Mitteln, um die Forschungen und Publikationen aufrechtzuerhalten; die patriarchalisch geführte Fam. (13 Kinder) löste sich allmählich auf. B. starb alleine und mittellos und hinterliess eine enorme Menge unveröffentlichter Manuskripte. Seine Bibliografie umfasst mehr als 500 Titel, aber sein ehrgeizigstes Werk, die Enzyklopädie "Descripción física, económica y social del Paraguay" in 18 Bänden, blieb unvollendet. Der bleibende Ruhm B.s in Paraguay (wo er auch el Sabio, der Weise, genannt wurde) rührt von seinen klimatolog. und anthropolog. Arbeiten ("La Civilización guaraní") her, von seinen populärwiss. Schriften zur Landwirtschaft ("Agenda y mentor agrícola"), aber auch vom Bild des guten Weisen, der im Walde lebte.


Archive
– ASTI, Nachlass
– Archivo Nacional, Asuncion (Paraguay), persönl. Archiv
Literatur
– L. Ramella, Y. Ramella-Miquel, Biobibliografía de Moisés Santiago B., 1985
– D. Baratti, P. Candolfi, L'arca di Mosè, 1994, (mit Bibl.)
– D. Baratti, Fare libri nella selva, 1999, (mit Bibl.)
– D. Baratti, P. Candolfi, Vida y obra del Sabio B., 1999, (mit Bibl.)

Autorin/Autor: Danilo Baratti / SK