Loveresse

Polit. Gem. BE, Bez. Moutier. An der Südflanke des Moron im Vallée de Tavannes gelegenes Dorf. 1148 de Loveresce (nach einer Fälschung Ende des 12. Jh.), 1225 Loverasse. 1755 164 Einw.; 1850 227; 1900 383; 1910 421; 1950 321; 2000 333. Im 12. Jh. erhob das Kapitel Moutier-Grandval den Zehnten in L. Die Abtei Bellelay, die bereits im 12. Jh. als Grundbesitzerin in L. erscheint, erwarb in der 2. Hälfte des 13. Jh. zahlreiche Güter, u.a. die Mühle. 1404 stattete der Fürstbf. von Basel das Gebiet der Abtei, darunter L., mit Freiheiten aus, um Siedler anzuziehen. Das Dorf gehörte im Ancien Régime zur Propstei Moutier-Grandval, 1797-1815 zu den franz. Departements Mont-Terrible bzw. Haut-Rhin und gelangte dann an Bern. 1855 wurde L. zur Gemischten Gemeinde. Kirchlich hing L. schon vor der Reformation von Tavannes-Chaindon ab, seit 1928 zählt es zu Reconvilier. Eine Sägerei in Le Moulin ist 1611 belegt. Die Ende des 19. Jh. errichteten Uhrenmanufakturen überlebten die Krise nach dem 1. Weltkrieg nicht. Das Betagtenheim des Vallée de Tavannes wurde 1906 vom Kt. Bern erworben und in ein Erziehungsheim für Mädchen umgewandelt; 1975-87 diente das Gebäude der Klinik von Bellelay, seither beherbergt es eine landwirtschaftl. Schule (Centre de formation et de vulgarisation agricole du Jura bernois).


Literatur
– A. Daucourt, Dictionnaire historique des paroisses de l'ancien évêché de Bâle 7, 1911, 145-151 (Nachdr. 1980)
– R. Saunier et al., L., 1991

Autorin/Autor: Pierre-André Wyss / CS