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Barman, Maurice

geboren 7.8.1808 Saint-Maurice, gestorben 4.8.1878 Saillon, kath., von Saint-Maurice. Sohn des Joseph-Antoine, Notars, Oberrichters, und der Marie-Angélique geb. Cheseaux. ∞ Eugénie Morand, Tochter des Jean-Philippe Morand. Mit seinen Brüdern Joseph-Hyacinthe ( -> 1) und Louis ( -> 2) stand B. für die radikale Idee der Gleichberechtigung des Unter- mit dem Oberwallis sowie des Proporzsystems. Nach dem Kollegium Saint-Maurice besuchte er die Rechtsschule Sitten. Danach führte er einen Bauernbetrieb in der Gem. Saillon, der er 1835-77 als Präs. vorstand. 1831-39 war er Mitglied des Walliser Landrats. 1840 befehligte er die Unterwalliser Truppen im erfolgreichen Kampf gegen die sezessionist. Oberwalliser. Als Staatsrat (1840-43, Präs. 1840-41) suchte er den Ausgleich zwischen den unversöhnl. Standpunkten des Oberwallis und der Jungen Schweiz. Vom Gr. Rat in den Fragen des Aargauer Klosterstreits und der kirchl. Immunität desavouiert, demissionierte er 1843 und übernahm den Vorsitz des Komitees von Martigny, das sich die Errichtung einer demokrat. Ordnung im Wallis zum Ziel gesetzt hatte. Als führender Kopf der gemässigten Liberalen schloss er sich der Jungen Schweiz an. Von der Alten Schweiz im Gefecht am Trient (Unterwallis) 1844 geschlagen, musste er nach Bex flüchten, von wo er erst nach der Niederlage des Sonderbunds eine triumphale Rückkehr an der Spitze der provisor. Regierung feiern konnte. Er festigte in der Folge seine Stellung als führender Politiker der Radikalen und des Kt. Wallis, indem er die Ämter des Staatsrats (öffentl. Bauten 1848-50, 1852-57), Nationalrats (1848-57) und Präfekten des Bez. Martigny (1850-53) in sich vereinigte. B. hatte einen prägenden Einfluss auf die Gesetzgebung von 1848. Er befasste sich zudem mit Fragen der Landwirtschaft und des Unterrichts und verfasste in "Le livre du village" (1842-43, 1856) eine Stud. zur Walliser Landwirtschaft. Viele seiner grossen Projekte wurden von seinen Nachfolgern realisiert, so die Kantonalbank, die Eindämmung der Rhone und eine Verbesserung der Verkehrswege (Gr. St. Bernhard, Furka, Simplontunnel). Die Rückkehr der Konservativen an die Macht bedeutete 1857 das Scheitern des gemässigten und pragmat. Politikers, eines typ. Vertreters des radikalen Bürgertums vorindustrieller Zeit.


Literatur
– Gruner, Bundesversammlung 1, 856 f.
– J.-H. Papilloud et al., Histoire de la démocratie en Valais (1798-1914), 1979

Autorin/Autor: Benjamin Roduit / AZ