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Labhardt, Philipp Gottlieb

geboren 26.5.1811 Steckborn, gestorben 21.7.1874 Frauenfeld, ref., von Steckborn. Sohn des Christian, Oberamtmanns. ∞ 1846 Maria Natalie Wüest, Tochter des Jakob, Oberrichters. Nach abgebrochenem Stud. der Theologie und Philosophie in Basel trat L. 1830 in neapolitan. Kriegsdienste ein. 1833-34 Stud. der Rechte in Zürich. Die polit. und berufl. Karriere war voller Brüche: 1835-44 Anwalt in Steckborn, 1836 Vizebezirksstatthalter, 1837-44 Obergerichtsschreiber. 1841-43 Thurgauer Kantonsrat, 1844-48 Regierungsrat (Inneres, Militär); Demission aus familiären Gründen und wegen Differenzen mit dem kath.-konservativen Regierungsrat Johann Andreas Stähelin. 1848-61 wieder Anwalt. 1849-52 erneut Kantonsrat. 1850-52 Erziehungsrat, 1852-57 Vizestaatsanwalt, 1854-57 Suppleant und Sekr. des Bundesgerichts. 1859-69 zum dritten Mal Kantonsrat. 1861-64 zum zweiten Mal Regierungsrat (Finanzen); Demission wegen Meinungsverschiedenheiten. 1868-69 Präs. des Bezirksgerichts Frauenfeld. 1858 gründete L. mit Fridolin Anderwert und Johann Ludwig Sulzberger den Liberalen Verein, aus dem die demokrat. Opposition der 1860er Jahre hervorging, die sich sowohl gegen das "System Häberlin" als auch gegen Eduard Häberlin persönlich wandte. Als Gründer und Präs. des thurg. Seetalbahnkomitees (1864-69) setzte L. die Bahnlinie Rorschach-Kreuzlingen über Romanshorn durch, während Häberlin Amriswil favorisierte. 1868 Mitinitiant der Verfassungsrevision. 1868-69 Verfassungsrat und Mitglied des Redaktionsausschusses der Verfassungskommission. Nach Annahme der Verfassung durch das Volk von 1869-74 zum dritten Mal Regierungsrat (Finanzen). 1848 war L. Gegner einer Ständekammer. 1848-51 und 1865-69 Nationalrat. 1861-63 und 1869-73 Verwaltungsrat der Rentenanstalt, 1870-74 der Schweiz. Nordostbahn. 1863 entstand unter der Führung und Leitung von L. die Dampfschiffahrtsgesellschaft für den Untersee und Rhein. Grosse Verdienste um die Totalbereinigung der thurg. Gesetzessammlung (1865-68). Oberst der Infanterie, 1856-61 Grossrichter des kant. Kriegsgerichts.


Archive
– StATG, Archiv des Seetalbahnkomitees
Literatur
– Gruner, Bundesversammlung 1, 706 f.
– A. Schoop, Johann Konrad Kern 1, 1968
– M. Mebold, Eduard Häberlin, 1820-1884, 1971

Autorin/Autor: André Salathé