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Böhi, Albert

geboren 12.6.1862 Schönholzerswilen, gestorben 28.12.1945 Bürglen (TG), ref., von Schönholzerswilen. Sohn des Johann Jakob, Landwirts, Gemeindeammanns, Bezirksstatthalters. Ledig. Ab 1882 Rechtsstud. in Basel, München, Berlin und Zürich. Thurg. Anwaltspatent. Die Anwaltstätigkeit lag B. nicht, weshalb er die Laufbahn des Richters und Politikers einschlug: 1887-97 Gemeindeammann von Schönholzerswilen; 1887-89 Mitglied und Schreiber des Bezirksgerichts Münchwilen, 1889-97 des thurg. Obergerichts. 1890-97 freisinniger Kantonsrat. Als Thurgauer Regierungsrat 1897-1908 (Justiz, Polizei, Armenwesen) war er stark beteiligt an der Entstehung des Beamtenwirtschafts- (1904), des Wirtschafts- (1905), des Markt- und Hausier- (1898) und des ersten thurg. Motorfahrzeuggesetzes (1905), und er erwarb sich Verdienste um die Anfänge des Finanzausgleichs zwischen Kanton und Gemeinden. 1908 Demission wegen Arbeitsüberlastung. B. wirkte danach wieder als Oberrichter (1908-32) und Kantonsrat (1909-35). Als Präs. der Gesetzgebungskommission hatte er grossen Anteil an der Schaffung der thurg. Zivilprozessordnung von 1928. Im Ständerat (1910-35; Präs. 1922-23) galt B. als unerbittl. Gesetzeshüter; die NZZ sprach vom "Cato von Bürglen". 1908-41 Präs. der parität. Administrativkommission. 1896-1902 Verwaltungsrat der Thurg. Hypothekenbank. Für seine früh verwitwete Schwägerin Minna B.-Scheitlin in Bürglen verwaltete B. 1884-1945 ein ausgedehntes Besitztum mit Mühle, Wald, Gutsbetrieb und Elektrizitätswerk.


Archive
– StATG, Nachlass
Literatur
Thurgauer Jb. 23, 1947/48, 38 f.
– Gruner, Bundesversammlung 1, 694

Autorin/Autor: André Salathé