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Weder, Johann Baptist

geboren 27.6.1800 Oberriet (SG), gestorben 17.10.1872 St. Gallen, kath., von Oberriet. Sohn des Josef, Landwirts, und der Anna Maria geb. Lüchinger. ∞ 1832 Mariette Looser, Tochter des Johann Kaspar, Pfarrers. 1823-27 Rechtsstud. in Freiburg i.Br. und Göttingen, 1827 dort Dr. iur. Anwalt, 1831 Mitgründer und Redaktor der "St. Galler Zeitung", 1846-51 des "St. Galler Boten". 1833-35, 1837-39, 1841-51 und 1855-67 radikalliberaler St. Galler Kantonsrat, 1833-35 und 1855-57 kath. Erziehungsrat, 1847-51 und 1861-63 Regierungsrat, 1859-60 und 1861 Verfassungsrat. 1855-57 Präs. des Kath. Administrationsrats, 1855-61 des Kassationsgerichts, 1856-59 des Kantonsschulrats und 1862-63 des kant. Erziehungsrats. 1848-51, 1858-60 und 1861-72 Nationalrat (1860 Präs.), 1855-57 Ständerat (1857 Präs.), ab 1863 wieder Anwalt. 1848 befürwortete W. einen zentralist. Bundesstaat mit Ein-Kammer-Parlament. Er arbeitete 1870 massgebend an der Verfassungsrevision mit, lehnte diese aber aus föderalist. Gründen ab. Im Kt. St. Gallen trat er für eine strikte Kontrolle der Kirche durch den Staat ein; die Schaffung eines Bistums St. Gallen lehnte er ab. Unter seiner Führung erfolgten 1856 die Einrichtung einer konfessionsneutralen Kantonsschule und 1861 die Revision der Kantonsverfassung, die das Erziehungswesen unter staatl. Aufsicht stellte. 1864 regte er die Gründung der Kantonalbank an. Ab 1861 verfolgte er im Kanton einen kompromissbereiten Kurs, was zum Bruch mit den Radikalliberalen führte. W. war während der 1840er und 50er Jahre eine der prägenden polit. Figuren im Kanton.


Archive
– KBSG, Teilnachlass
Literatur
– Gruner, Bundesversammlung 1, 595 f.
Rheintaler Köpfe, 2004, 372-379

Autorin/Autor: Wolfgang Göldi