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Mächler, Albert

geboren 2.4.1868 Rapperswil (SG),gestorben 9.12.1937 St. Gallen, kath., von Rapperswil. Sohn des Franz Josef, Hoteliers und Grossrats, und der Josephine geb. Benziger. ∞ Josephine Gmür, von Amden. M. durchlief das Gymnasium in Einsiedeln und die Kantonsschule St. Gallen. Anschliessend absolvierte er ein Rechtsstud. in Zürich, Berlin, Leipzig, Montpellier, Lausanne und Bern, wo er 1892 mit einer Arbeit über "Das Begräbniswesen nach schweiz. Bundesrecht" zum Dr. iur. promovierte. 1892-1902 war er Anwalt, 1897-1902 zugleich auch Stadtammann in Rapperswil. Nach seiner Wahl zum Regierungsrat des Kt. St. Gallen übernahm M. 1902-30 das Polizei- und Militärdepartement, 1930-36 das Erziehungs- und Militärdepartement (fünfmal Landammann). 1905-16 amtierte er zugleich als Kantonalpräs. der freisinnig-demokrat. Partei, die 1912 auf seine Initiative hin ein ständiges Sekretariat einrichtete. 1905-34 war er Mitglied des Nationalrats (1924-25 Präs.). Als entschiedener Verfechter von sozialer Gerechtigkeit erwarb sich M. Verdienste um die Sozialgesetzgebung auf kant. wie nationaler Ebene, v.a. durch die Gründung eines kant. Sozialversicherungsfonds, dessen Zinsen der "Stiftung für das Alter" zugutekamen, und als einer der profiliertesten Vorkämpfer der AHV, in deren Einführung er seine Lebensaufgabe erkannte. Im Nationalrat nahm M. als Mitglied des radikal-demokrat. Fraktionsvorstands und der Geschäftsleitung der FDP (1907-19) eine einflussreiche Stellung ein, wobei er sich um ein gutes Einvernehmen zwischen der dt. und der franz. Schweiz bemühte. M. förderte die Linthkorrektion und engagierte sich als Vertreter eines liberalen Katholizismus für ein Zusammenwirken von Kirche und Staat sowie für religiöse Toleranz. 1915 Oberst der Infanterie.


Literatur
– Gruner, Bundesversammlung 1, 571
– «Die Landammänner des Kt. St. Gallen, 2. Tl.: 1891-1972», in NblSG 113, 1973, 19 f.

Autorin/Autor: Franz Xaver Bischof