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Wirth, Daniel

geboren 7.12.1815 Güttingen, gestorben 3.10.1901 St. Gallen, ref., von St. Gallen. Sohn des Johann Georg, Pfarrers und Dekans, und der Susanna Barbara geb. Steinmann. ∞ 1) 1843 Anna Fehr, Tochter des Peter, Kaufmanns in Livorno, 2) 1849 Elise Sand, Tochter des Georg Friedrich, Kaufmanns. Gymnasium in St. Gallen, 1832-37 kaufmänn. Lehre in Livorno bei seinem späteren Schwiegervater. 1837-48 Kaufmann in Italien und in der Türkei, 1849-73 Teilhaber der Firma Gebr. Gonzenbach in St. Gallen. 1857-75 und 1885-1901 Verwaltungsratspräsident der Vereinigten Schweizerbahnen (VSB), 1861-96 Generaldirektor. 1851-57 Gemeinderat in St. Gallen, 1851-59 Präs. des Bezirksgerichts St. Gallen, 1853-1900 St. Galler Kantonsrat (1869 Präs.), 1859-60, 1861 und 1889-90 Verfassungsrat, 1864-65 und 1867-69 Ständerat, 1869-78 Nationalrat (1872-73 Präs.). Anfänglich politisch den Radikalen nahestehend, näherte sich W. zusehends der gemässigt-liberalen Gruppe um Arnold Otto Aepli an. 1850 wirkte er als Berater des Bundes in Zollfragen und führte 1856 die Fusionsverhandlungen, die 1857 unter seiner Mitwirkung zur Gründung der VSB führten. Als Förderer des Bank- sowie des Eisenbahnwesens gehörte W. zu den grossen Wirtschaftsexponenten seiner Zeit, war 1854 Mitgründer der St. Gall. Creditanstalt, 1858 der Helvetia-Versicherung und 1862 der Handelsgesellschaft St. Gallen. Ausserdem war er ein führender Vertreter weiterer Banken und Eisenbahngesellschaften, so 1856-60 als Leiter der Deutsch-Schweiz. Kreditbank bzw. 1887-90 als Verwaltungsratspräsident der Appenzeller-Strassenbahngesellschaft. W. bereitete den Rückkauf der VSB durch den Bund 1902 vor (Gründung der SBB). Vergeblich blieb sein drei Jahrzehnte dauernder Kampf für den Bau einer Ostalpenbahn. 1874-1901 war er zudem Mitglied der evang. Synode, die er 1874-75 präsidierte.


Archive
– KBSG, Nachlass
Literatur
– Gruner, Bundesversammlung 1, 597 f.
– E. Ehrenzeller, «Daniel W.-Sand», in Rorschacher Njbl. 79, 1989, 65-84

Autorin/Autor: Cornel Dora