Kommunistische Partei (KP)

Die KP der Schweiz ging im März 1921 aus der Fusion eines Teils der sozialist. Linken mit den sog. Altkommunisten (Gruppe Forderung) hervor. Erster Präs. wurde Franz Welti, Sekr. Marino Bodenmann. Die sozialist. Jugendorganisation hatte sich bereits 1919 der kommunist. Jugendinternationale angeschlossen. Als Sektion der kommunist. Internationale war die KP trotz eines gewissen Verhandlungsspielraums von dieser politisch-ideologisch, finanziell und organisatorisch zunehmend abhängig. Der weltanschaul. Hintergrund der Parteimitglieder bestand in einer starken emotional-kulturellen Bindung an den Kommunismus als zukünftiger Gesellschaftsordnung. Auf alltägl. Ebene schuf die KP für die Mitglieder eine eigene Lebenswelt, wozu die zahlreichen Nebenorganisationen für alle Lebensalter und sozialen Kategorien (u.a. Frauen, Intellektuelle, Arbeitslose) beitrugen. Die KP übernahm nicht nur das leninist. Organisationsmodell des sog. demokrat. Zentralismus, die bolschewist. Programmatik und das Zellenprinzip, sie folgte auch den takt. und strateg. Wendungen der Komintern, so ab 1924 der Bolschewisierung und der Umstellung auf Betriebszellen. Die vorwiegend urbane und in der Deutschschweiz (Zürich, Basel, Schaffhausen) verankerte KP zählte anfänglich rund 6'000 Mitglieder, davon 15% Frauen, bei sinkender Tendenz. Der maximale Wähleranteil auf nationaler Ebene betrug in den 1920er Jahren 2%, was 1925 zu drei Nationalratsmandaten führte. Kantonal erreichte die KP bis zu 26%, so 1928 in Schaffhausen bei den Nationalratswahlen. Im Basler Grossrat gewann die KP 1929 mit einem Wähleranteil von 19,7% 25 Sitze. Zeitweise verfügte die KP über drei Tageszeitungen (Gesamtauflage 1922 14'000 Exemplare, 1936 ca. 10'000).

Ende der 1920er Jahre begann in der KP ein Prozess der Stalinisierung, der 1929-32 durch nahezu ein Dutzend Emissäre und Instrukteure eingeleitet und kontrolliert wurde. Der Mitgliederbestand und der Wähleranteil reduzierten sich stufenweise. Einen grossen Einschnitt bedeutete der Ausschluss von Walther Bringolf im Dez. 1930, dem die Schaffhauser Sektion fast geschlossen in die kurzlebige Kommunist. Partei der Schweiz-Opposition (KPO) folgte. 1935 vereinigte sich die KPO mit der SP.

Mit dem Übergang zur Volksfronttaktik 1935 erfolgte ein leichter Anstieg der Mitgliederzahlen und der öffentl. Resonanz. Doch kant. Verbote (Neuenburg, Genf, Waadt, Schwyz, Uri), der Hitler-Stalin-Pakt vom Aug. 1939, die Aufgabe des Antifaschismus und die Hinwendung zum Neutralismus im Sept. 1939 unter dem Slogan des "imperialist. Kriegs" sowie die Unterstützung der sowjet. Invasion Finnlands schwächten die KP. Das Verbot kommunist. Aktivitäten und der Propaganda im Aug. 1940 sowie der KP selbst im Nov. 1940 liess die Mitgliederzahl auf etwa 350 fallen. Ein Wiederaufschwung erfolgte erst nach der Auflösung der Komintern im Mai 1943 und der Vereinigung mit der Fédération socialiste suisse von Léon Nicole sowie durch die Gründung der Partei der Arbeit (PdA) im Okt. 1944, in der die KP aufging.

Resultate der KP bei Nationalratswahlen
JahrSitzeWähleranteil
192221,8%
192532,0%
192821,8%
193121,5%
193521,4%
193942,6%
1943-a-a

a keine Teilnahme wegen Parteiverbots

Quellen:BFS

Im Vergleich zu ihrer Grösse übte die KP für die Komintern wichtige Funktionen aus. Sie bot dem internationalen kommunist. Apparat einen Pool von qualifizierten polit. Kadern, welche die Moskauer Verantwortlichen zum Teil persönlich kannten. In den 1930er Jahren diente sie als Rückzugsstellung für eine Exilleitung der KPD (Abschnittsleitung Süd) sowie für Teile der in Deutschland installierten Presseagenturen der Komintern, als Fluchtort für Parteifunktionäre, Mitglieder und Kapitalien und als Durchgangsweg für Freiwillige zur Zeit des Span. Bürgerkriegs. Chiffrierte Telegramme von 1939 bis 1941 zeigen, wie die KP trotz Illegalität den Kontakt mit der Komintern und anderen kommunist. Parteien aufrechtzuerhalten versuchte.


Literatur
– P. Stettler Die KP der Schweiz, 1921-1931, 1980
– B. Studer, Un parti sous influence, 1994
– H. Wichers, Im Kampf gegen Hitler, 1994
– B. Studer, Sous l'œil de Moscou, 1996
– A. Rauber Histoire du mouvement communiste suisse, 2 Bde., 1997-2000
Moscou Paris Berlin: télégrammes chiffrés du Komintern (1939-1941), hg. von D. Peschanski, 2003

Autorin/Autor: Brigitte Studer