No 136

Müller, Johann Joseph

geboren 19.3.1815 Mosnang, gestorben 11.11.1861 St. Gallen, kath., von Mosnang und ab 1859 von Wil (SG). Sohn des Johann Baptist, Wirts, Kreisammanns und Buntwebereibesitzers, und der Maria Theresia geb. Glanzmann. Bruder von Johann Baptist ( -> 108), Johann Fridolin ( -> 124) und Johann Georg ( -> 126). ∞ 1839 Theresia Troxler, Tochter des Paul, Tuchhändlers, Säckelmeisters und Oberrichters, und Nichte des Ignaz Paul Vital Troxler. Dorfschule in Mosnang, 1826-31 kath. Gymnasium in St. Gallen, 1831-33 Lyzeum in Luzern. 1833-37 Rechtsstud. in München, Heidelberg, Genf und Lausanne. 1837-44 Anwalt in Wil. 1844-47 Mitarbeiter in der Buntweberei seines Vaters, 1847-61 Anwalt in St. Gallen. 1839-61 Gr. Rat des Kt. St. Gallen (Präs. 1844, 1845-46, 1852-53, 1854-57, 1858-59, 1860), 1844 und 1845 Tagsatzungsgesandter, 1855-59 kath. Administrationsrat, 1855-57 kath. Erziehungsrat, 1859-60 Verfassungsrat, 1856-60 erster kath.-konservativer Nationalrat aus dem Kt. St. Gallen (1860 nicht wiedergewählt). Bis 1841 gehörte M. zu den Liberalen; erst die zunehmend radikalere Kirchenpolitik veranlasste ihn zum Übertritt ins Lager der Konservativen, in dem er einer der führenden Köpfe neben Gallus Jakob Baumgartner wurde. M. war der Hauptredaktor der von den Konservativen initiierten Revision der Kantonsverfassung von 1860, die knapp verworfen wurde. Erst die Verfassung von 1861, die z.T. seinen vermittelnden Anschauungen folgte, leitete eine kirchenpolit. Beruhigung ein. Als Redaktor und Herausgeber der "St. Gallischen Volkszeitung" in Wil 1844-45 und Mitarbeiter des 1856 von ihm mitgegr. "Neuen Tagblatts aus der östl. Schweiz" vertrat er eine ausgleichende Haltung. Im Nationalrat sammelte M. die konservativen Kräfte; er war Mitglied der Komm. zur kirchenpolit. Loslösung des Tessins von den Diözesen Mailand und Como. Bereits 1845 regte er die Eisenbahnlinie Rorschach-St. Gallen-Wil an. M. verfasste zahlreiche Schriften zu tagespolit. Fragen.


Literatur
– Gruner, Bundesversammlung 1, 574 f.

Autorin/Autor: Wolfgang Göldi