25/02/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken

Bassersdorf

Polit. Gem. ZH, Bez. Bülach. Dorf am Rande des mittleren Glatttals, seit 1931 mit Baltenswil. Um 1010 Basselstorff (unsicher), 1155 Bazzelstorf. In der Helvetik Distrikthauptort, 1837 Sekundarschulkreis. 1420 39 Höfe; 1634 310 Einw.; 1710 718; 1836 825; 1850 959; 1900 1'092; 1950 2'143; 1970 5'590; 2000 7'515.

Unter der ref. Kirche kam eine röm. Villa zum Vorschein. B. liegt an der röm. und ma. Strassenverbindung Zürich-Winterthur. Siedlungsschwerpunkte sind die ehem. Gewerbesiedlung mit Mühlen und Sägerei (heute Schaubetrieb) am Altbach, der langgestreckte Dorfteil entlang der Landstrasse mit Zentrum an der Verzweigung nach Kloten sowie im Westen das Unterdorf (Haufendorf). B. gehörte hoch- und niedergerichtl. zur Grafschaft Kyburg und gelangte mit dieser an die Stadt Zürich. Der älteste, bei Ausgrabungen erfasste Kirchenbau ist rom., 1370 erstmals erw. als Filiale (St. Johann) von Kloten. 1509 erhielt die Kapelle das Taufrecht. 1518 wurde eine Pfründe gestiftet, 1520 der erste Pfarrer eingesetzt. In der Reformation wurde B. (mit Nürensdorf) selbstständige Kirchgemeinde im Regensberger Kapitel. Die Kollatur lag beim Zürcher Rat. Seit 1973 besteht die röm.-kath. Kirche St. Franziskus mit Pfarramt. Sie gehört zu einer röm.-kath. Kirchgem., die auch Kloten und Nürensdorf umfasst. Gemäss der Offnung um 1420 wählte die Gem. an der Herbstversammlung einen Dorfweibel, der auf Verlangen des Vogtes auch in den umliegenden kyburg. Weilern von Baltenswil bis Geerlisberg amtete.

Der Strassenverkehr war in der frühen Neuzeit ein wesentl. Wirtschaftsfaktor (zwei Gasthöfe, Pferdestation, Reparaturwerkstätten). Der Boden war bis zur Mitte des 20. Jh. stark parzelliert, die Betriebe blieben klein, nur wenige wurden von Vollbauern, die meisten von Kleinbauern mit zusätzlicher nicht-agrar. Erwerbstätigkeit geführt. Viele Wohnhäuser waren von zwei oder mehr Fam. belegt. Im Register der Feuerassekuranz (mit 90 Hausnummern) von 1812 sind 67 Handwerker nachgewiesen. Auch die textile Heimindustrie war verbreitet. 1789 beschäftigten sich 18% der Einw. saisonal mit Baumwollspinnerei. Die klein strukturierte Landwirtschaft war krisenanfällig: Bei den Teuerungen von 1794-96 und 1817 erhielten rund ein Viertel der Haushalte Armenunterstützung. 1840 baute der Kt. gegen den Willen der Gem. eine neue Landstrasse von Zürich nach Winterthur über Brüttisellen-Baltenswil statt über B. Es folgten eine wirtschaftl. Stagnation und bis 1880 eine leicht rückläufige Bevölkerungsentwicklung. 1840 fand in B. eine liberale Volksversammlung in Anlehnung an den Ustertag statt. Schrittweise erfolgte die Ablösung der alten Agrarverfassung: 1826 Zehnten-, 1833 Grundzinsablösung, 1845 Allmendaufteilung, 1860 Flurwegnetz. 1866 errichteten die Gebr. Bürkli, Zürich, in der alten Gewerbesiedlung eine Seidenzwirnerei (1880 ca. 100 Beschäftigte). 1877 erhielt B. Anschluss an die Nationalbahnlinie Winterthur-Baden. Um den Bahnhof entstand ein Geschäfts- und Gewerbequartier mit den 1899 erbauten Verlags- und Druckereigebäuden der Familienzeitschrift "Die Schweizerfamilie" sowie der Lokalzeitung "Die Glatt" (heute Regionalzeitung "Zürcher Unterländer"). Eine Industrieansiedlung fand aber nicht statt. 1920 waren 28% der Beschäftigten im 1., 54% im 2. und 10% im 3. Sektor erwerbstätig. 1932 wurde im Schatzackerquartier eine "grüne" Gemeinschaftssiedlung erstellt (Siedlungs- und Gartenbaugenossenschaft Siga), die personell mit der heute noch bestehenden Lebensmittelkette "Reformhaus" verbunden war. Nach dem 2. Weltkrieg wurde B. Teil der Agglomeration Zürich. In diesem Prozess entstanden anfänglich Einfamilienhäuser, seit den 1960er Jahren mehrheitlich Wohnblöcke. B. entwickelte sich zur Wohngemeinde mit (1990) 76% Wegpendlern. Eine in den 1970er Jahren ausgeschiedene Industriezone in der 1950-52 meliorierten Ebene gegen Kloten wird zurzeit zaghaft belegt. 1990 zählten knapp 3% der Beschäftigten zum 1. und 61% zum 3. Sektor. Beim Bau der Flughafenlinie (1977) wurde der Bahnhof an die Peripherie versetzt, die Siedlungslücke gegen den Dorfkern danach sofort mit Wohnbauten geschlossen.


Literatur
Bassersdorfer Heimatbücher, 1980-

Autorin/Autor: Martin Illi