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No 3

Keel, Johann Joseph

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geboren 15.3.1837 St. Fiden (heute Gem. St. Gallen),gestorben 12.8.1902 St. Fiden, kath., von Rorschach und Rebstein. Sohn des Johann Joseph, Forstinspektors, und der Katharina geb. Baumgartner. ∞ 1) 1867 Marie Benziger (gestorben 1879), Tochter des Josef Karl Benziger, 2) 1883 Anna von Schnüringer, von Schwyz. K. durchlief das kath. Gymnasium St. Gallen und das Stud. der Rechte in München, Berlin, Heidelberg und Paris. Danach trat er in den Dienst des Kt. St. Gallen: 1859-61 Sekretär des Finanzdepartements, 1861-70 Kriegskommissar (ab 1867 im Majorsrang). 1867-70 sass er im Grossrat. Als Regierungsrat leitete er 1870-73 das Dep. des Innern, 1873-1902 das Finanzdepartement (sechsmal Landammann). 1875-1902 gehörte er zugleich dem Nationalrat an (1897 Präs.). Ab 1870 war K. der führende Kopf der Katholisch-Konservativen des Kt. St. Gallen. Unter seiner Führung nahm die kant. Partei nach der Krise des Kulturkampfs, bei der er vermittelnd eingriff, einen neuen Aufschwung. 1874 gehörte K. zu den Mitbegründern der kath. Tageszeitung "Die Ostschweiz". 1890 war er massgeblich an der Revision der kant. Verfassung beteiligt. Als Regierungsrat bemühte er sich intensiv um längst fällige Steuerreformen. 1893 konnte eine Erbschaftssteuer eingeführt werden; 1903 trat nach zweimaliger Verwerfung ein neues, gerechteres Steuergesetz in Kraft. Während K. auf kantonaler wie nationaler Ebene den staatl. Einfluss auf das Schulwesen möglichst zu verhindern suchte (seine Enthüllung des geheimen Schulprogramms von Bundesrat Johann Jakob Schenk gab 1882 den Ausschlag für die Verwerfung der sog. Schulvogt-Vorlage), befürwortete er in der Wirtschafts- und Sozialpolitik einheitl. Schweizer Lösungen. Als Nationalrat unterstützte er das Eisenbahnrückkaufsgesetz (1897), das Nationalbankgesetz (1897), den Zolltarif (1891) sowie das Kranken- und Unfallversicherungsgesetz (1900). 1891 schlug er eine Bundesratskandidatur aus.


Literatur
– Gruner, Bundesversammlung 1, 568 f.
– R. Keel, «Johann Joseph K.», in NblSG 111, 1971, 40 f.

Autorin/Autor: Franz Xaver Bischof