• <b>Münchenwiler</b><br>Ansicht des Schlosses von Südosten. Aquarell von  Gabriel Lory,   um 1840 (Bernisches Historisches Museum) © Foto Yvonne Hurni. Nach dem Umbau des Priorats in ein Schloss im 16. Jahrhundert ist die Klosteranlage teilweise erhalten und gut erkennbar geblieben. Während das Kirchenschiff und der Westflügel des Kreuzgangs abgebrochen wurden, um Platz für einen Ehrenhof zu gewinnen, blieb die Ostpartie der Kirche bestehen. Hans Jakob von Wattenwyl baute sie zum Palas um, den der romanische Vierungsturm überragte. Südlich (im Bild vorn) schliessen der Ost- und der Südflügel des ehemaligen Klausurgevierts mit dem neu erstellten Eckturm an, die als Wohntrakte dienten.

Münchenwiler

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Laupen, Verwaltungskreis Bern-Mittelland, Cluniazenserpriorat, Herrschaft, Schloss. 1080/81 Vilar, 1228 Vilar les Moinos, franz. Villars-les-Moines. Die Gem. am Südhang zum Murtensee ist eine deutschsprachige bern. Enklave im Kt. Freiburg. 1764 171 Einw.; 1850 400; 1900 444; 1950 347; 1980 290; 2000 434.

1 - Cluniazenserpriorat

1080/81 schenkten die Brüder Gerold und Rudolf de Vilar ihren Eigenbesitz mit Grund und Boden, Eigenleuten und der Dreifaltigkeitskirche dem Kloster Cluny; wenig später erfolgte die Gründung des Priorats, das wie Leuzigen, Bargenbrügg und Payerne Pilgern auf dem Jakobsweg Herberge bot. Beim Bau der Prioratskirche um 1100 wurden Spolien aus Avenches vermauert. Die geistl. Gemeinschaft bestand aus dem Prior und zwei bis vier Mönchen. Im 15. Jh. verlor M. an Bedeutung und gelangte z.T. an nicht residierende Kommendatarprioren (Pfründer ohne Amtspflicht). Das Priorat erlitt im Laupenkrieg 1339, im Freiburgerkrieg 1448 und im Burgunderkrieg 1476 Verwüstungen.

Die kleine Herrschaft M. umfasste die Dörfer M. und Clavaleyres sowie hohe und niedere Gerichte unter dem Richterstab des Priors (ohne Blutgericht). Die Kastvogtei über M., ursprünglich bei den Gf. von Neuenburg, kam im 14. Jh. an die Gf. von Savoyen, die sie ihrem Amtmann, dem Schultheissen von Murten, übertrugen. Diesem zahlte M. jährlich den Schirmzins. Nachdem Murten 1484 Gemeine Herrschaft der Städte Bern und Freiburg geworden war, liess Bern das Priorat noch im selben Jahr durch päpstl. Erlass dem Vinzenzenstift inkorporieren und bis 1528 durch Berner Chorherren verwalten. In der Reformation zog Bern M. gegen Freiburgs Widerstand an sich: Es verlegte 1527 dessen Gericht nach Biberen unter den Vogt von Laupen, erzwang die Aufgabe des Burgrechts mit Murten und drängte 1530 den letzten Verwalter Ulrich Stör zur Übergabe der säkularisierten Herrschaft M.

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler

2 - Patrizische Twingherrschaft und Schloss

1535 verkaufte Bern die Herrschaft M. mit Gerichten (ohne Kriminaljustiz), Höfen und Gebäuden seinem Schultheissen Hans Jakob von Wattenwyl. Querschiff, Vierungsturm und Chor der Kirche sowie andere Gebäude des Priorats wurden 1535-57 in eine Schlossanlage umgestaltet. Weitere Umbauten erfolgten ab 1690 und im 19. Jh. (z.B. Einbau einer Kapelle 1886). Der zum Schloss gehörende Eigenhof betrieb Acker- und Rebbau, vom 17. Jh. an auch Küherei (Alpweiden im Jura). Nach mehreren Handänderungen ab 1612 gelangte M. 1668 an die Fam. von Graffenried, die das Schloss bis 1932 besass.

Mit der Helvetik fielen die Herrschaftsrechte 1798 dahin. Schloss M. kam auf franz. Diktat mit der Gem. M. 1798 zum Kt. Saane und Broye, 1803 zum Kt. Freiburg und nach polit. Kämpfen 1807 an den Kt. Bern (Bez. Laupen). Die verarmte Besitzerfamilie begann ab 1922 mit der Veräusserung von Gütern, bis 1932 Schlossanlage und Park an ein neuenburg. Konsortium versteigert wurden, das den Besitz 1943 dem Staat Bern verkaufte. Unter Leitung der Volkshochschule Bern und später des Berner Volkshochschulverbands wurden im Schloss Erwachsenenbildungskurse angeboten. Nach der Renovation 1986-90 folgte die Umwandlung in ein Kurs- und Seminarhotel.

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler

3 - Gemeinde

Um die Priorats- bzw. Schlossgebäude scharten sich Kleinhöfe (Tagländer, lat. diurnales) der zur Bewirtschaftung der Domäne angesiedelten Bauern. Taverne (Bären), Mühle, Lehenhaus und Schaffnerei gehörten zum Schloss und wurden von Lehenleuten betrieben. Kommunal war das 1436 erstmals erw. Ofenhaus mit zwei Backöfen, von der Herrschaft gestiftet das Schulhaus. Die Prioratskirche hatte einst die ursprüngl. Dorfkirche ersetzt; nach 1484 wurde die Bevölkerung von M. nach Murten kirchgenössig und blieb dies, auch nach der Reformation. Die Kirchgemeinde Bernisch-Murten verfügt seit 1848 über einen Friedhof in M. Die ursprünglich französischsprachige Gem. wandelte sich unter dem Zuzug bern. Pächter der Schlossgüter zu einer deutschsprachigen; ab 1738 wurde der Schulunterricht von M. und Clavaleyres in deutscher Sprache erteilt. Versuche der Regierung (u.a. 1895, erneut 2008), M. und Clavaleyres zu vereinigen, scheiterten am Widerstand der Gemeinden. 1898 erhielt M. Anschluss an die Lokalbahn Freiburg-Murten-Ins (Station M.-Courgevaux). 2000 pendelten knapp drei Viertel der Berufstätigen nach Bern oder Murten.

<b>Münchenwiler</b><br>Ansicht des Schlosses von Südosten. Aquarell von  Gabriel Lory,   um 1840 (Bernisches Historisches Museum) © Foto Yvonne Hurni.<BR/>Nach dem Umbau des Priorats in ein Schloss im 16. Jahrhundert ist die Klosteranlage teilweise erhalten und gut erkennbar geblieben. Während das Kirchenschiff und der Westflügel des Kreuzgangs abgebrochen wurden, um Platz für einen Ehrenhof zu gewinnen, blieb die Ostpartie der Kirche bestehen. Hans Jakob von Wattenwyl baute sie zum Palas um, den der romanische Vierungsturm überragte. Südlich (im Bild vorn) schliessen der Ost- und der Südflügel des ehemaligen Klausurgevierts mit dem neu erstellten Eckturm an, die als Wohntrakte dienten.<BR/>
Ansicht des Schlosses von Südosten. Aquarell von Gabriel Lory, um 1840 (Bernisches Historisches Museum) © Foto Yvonne Hurni.
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Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler

Quellen und Literatur

Literatur
– K.L. Schmalz, «Kampf um die Wiedervereinigung der Gem. M. und Clavaleyres mit dem Kt. Bern, 1798-1807», in AHVB 37, 1944, 483-542
– K.L. Schmalz, M., 1947 (21994)
HS III/2, 365-379
– P. Eggenberger et al., Schloss M. - ehem. Cluniazenser-Priorat, 2000
– H.-P. Ryser, Bauinventar der Gem. M., 2001
– D. Gutscher, Schoss M., 2002

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler