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Mühleberg

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. Laupen. Ausgedehnte Gem. im Dreieck zwischen Saane und Wohlensee bzw. Aare mit dem Kirchdorf M. und mehreren Weilern und Einzelhöfen, darunter dem Brückenort Gümmenen. 1011-16 Mulinberg. 1764 1'080 Einw.; 1850 2'490; 1900 2'382; 1950 2'320; 2000 2'722.

1 - Vorrömische Zeit

Über das Gemeindegebiet von M. verteilen sich mehrere Grabhügel aus der Hallstattzeit, deren bedeutendster, der sog. Unghürhubel, auf einer Geländeterrasse bei Allenlüften liegt. Beim Abtragen des ca. 6 m hohen Hügelaufwurfs kam 1869 ein nachträglich zu einem Halsreifen ergänztes, starkes Goldblech mit Punzverzierungen in Form von aneinandergereihten Andreaskreuzen und Mäanderbändern zum Vorschein. Ein zweiter Goldblechstreifen (Armband?) mit vier Reihen gegenständiger Halbmondpaare ist stärker fragmentiert. Weiterer Trachtschmuck und die Metallbestandteile eines Totenwagens verweisen auf eine oder mehrere Grablegungen, deren übrige Ausstattung bei der Entdeckung offenbar weitgehend zerstört worden ist. Die Lage der zugehörigen Siedlung ist unbekannt. Punzierte Goldblechhalsringe treten in Süddeutschland, Ostfrankreich und im westl. Mittelland (Châtonnaye, Payerne) mehrfach auf und scheinen im 6. Jh. v.Chr. Rangabzeichen einflussreicher Persönlichkeiten gewesen zu sein.

Autorin/Autor: Felix Müller (Bern)

2 - Mittelalter und Neuzeit

Das Kirchdorf M. (oder Kirch-M.) gehörte mit Gross-M. und Buch zu einer Twingherrschaft im Besitz der Fam. von Buch (1387 erw.), Brüggler (ab 1440) und Herren (ab 1579), die 1599 an Bern verkauft wurde. Andere Kleinherrschaften waren schon früher an Bern gefallen, so 1467 das Gericht Gümmenen mit Mauss. Bern teilte M. diesem Gericht in der Landvogtei Laupen zu (militärisch beim Landgericht Sternenberg). Weitere Weiler der Gem. M. gehörten zu den Niedergerichten Laupen (Rüplisried und Spengelried), Frauenkappelen (u.a. Marfeldingen, Buttenried, Oberei) und Frieswil (u.a. Niederruntigen, Horn). Die 1224 erstmals erw. Martinskirche, eine rom. Saalkirche des 11. Jh. (Turm 12. Jh.) mit einem 1523-24 neu erbauten Chor, war das Zentrum einer grossen Pfarrei, zu der bis nach der Reformation auch Frauenkappelen gehörte. Der Kirchensatz gelangte 1254 an die Deutschordenskommende Köniz und mit dieser 1729 an Bern.

Die Einwohnergem. M., ab 1803 im Amtsbez. Laupen, entstand im Umfang des Kirchspiels; sie wurde 1869 durch Zuteilung von Aumatt, Buttenried, Horn, Niederruntigen und Rewag (vorher Gem. Radelfingen, 1866 89 Einw.) arrondiert. Haupterwerbszweige in der Gem. M. mit schönem bäuerl. Baubestand waren der Ackerbau und ab 1850 zunehmend auch die Milchwirtschaft (sieben Käsereien) neben Kleingewerbe (u.a. Holzverarbeitung). Das Autobahnprojekt löste 1968 die Gesamtmelioration aus. Trotz der Hügellage war die Verkehrssituation gut: M. lag an der kürzesten Route von Bern über Murten in die Waadt; in der Herberge von Allenlüften richtete Bern 1679 eine Schaffnerei zur Kontrolle der Weinfuhren aus der Waadt ein (ab 1801 Gasthof Schwanen). 1901 kam die Gem. an die Bahnlinie Bern-Neuenburg zu liegen (Stationen Rosshäusern und Gümmenen) und in den 1980er Jahren an die Autobahn Bern-Murten-Lausanne (A1).

Mit dem Wasserkraftwerk (Bau 1917-21) erhielt M. seine Lage am Südufer des aufgestauten Wohlensees. Das Wasserkraftwerk wird wie das Atomkraftwerk M. (Bau 1967-71) von den Bern. Kraftwerken (BKW) betrieben, wobei die "Aktion M. stillegen" seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 eine Ausserbetriebsetzung des KKW fordert. Die beiden Kraftwerke sind die grössten Arbeitgeber in der Gem.; sie gaben den Anstoss zu den Wohnsiedlungen Krayenberg, Fuchsenried und Steinrisel. Die Weilerstruktur der Gem. bedingte im 19. und 20. Jh. sechs Schulhäuser (2002 vier); in Allenlüften, Standort der 1878 gegr. Sekundarschule, liegt das kommunale Oberstufenzentrum.

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler

Quellen und Literatur

Literatur
Der Achetringeler 1-, 1926-
– H.A. Michel, H. Rüedi, M., 1971
– S. Rutishauser, Ref. Kirche M. BE, 1980
– C. Eluère, Das Gold der Kelten, 1987 (franz. 1987)
Gesamtmelioration M., 1992
– H. Schneeberger, Bauvinventar der Gem. M., 2001