• <b>Frauenkappelen</b><br>Kirche und Pfarrhaus, 1827. Kolorierte Umrissradierung von   Samuel Weibel (Schweizerische Nationalbibliothek).

Frauenkappelen

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Laupen, auf einer Terrasse zwischen Wohlensee und Gäbelbach, mit dem Dorf F. (1158 Capela), Weilern und Einzelhöfen. 1764 302 Einw.; 1850 720; 1880 614; 1900 620; 1950 568; 2000 1'280.

Im Spilwald liegen hallstattzeitl. Grabhügel und Reste eines röm. Gutshofs. Das wieder zu Forst gewordene Gebiet wurde im FrühMA neu besiedelt. Am Hang über der Aare entstand die 1241 urkundlich erw. Burg Alt-Bubenberg (im 14. Jh. aufgegeben, Wallreste). Zwischen 1228 und 1240 kam es zur Gründung des Augustinerinnenklosters Sancta Maria de Cappellis in Foresto. Laut Jahrzeitbuch waren schwäb. Dienstleute von Rechberg seine Stifter. Die über einem frühma. Grubenhaus erbaute Klosterkirche bezog die 1158 erw. Marienkapelle mit ein, eine Filiale von Mühleberg mit bis ins 13. Jh. belegtem Friedhof. Mit späteren Güterschenkungen einheim. Donatoren wuchs der Klosterbesitz zur Grund- und Gerichtsherrschaft. Weitere Käufe führten bis ins 14. Jh. zu Streubesitz vom Sensegebiet bis zum Bucheggberg mit Schwerpunkt um Rüti bei Büren; das Kloster besass zudem Reben am Bielersee. Die geistl. Aufsicht über die Abtei lag bis 1226/35 bei den Augustinern in Köniz, nach deren Ablösung durch den Deutschorden beim jeweiligen Komtur und zeitweise beim Bf. von Lausanne. Der Konvent, unter einer Äbtissin (Meisterin) und mit eigenem Siegel (1251), zählte etwa zehn Nonnen, die durch einen Propst (auch Prior, Procurator) geistlich betreut wurden. Die Nonnen stammten aus Dienstleute- und Ratsfamilien Solothurns und Berns (u.a. Kramburg, Bubenberg, Oltigen, Erlach). Berner Ratsherren amteten ab 1388 vielfach als Klostervögte, was Eingriffen des Rats Vorschub leistete. 1486 wurde das Kloster dem neu errichteten Chorherrenstift St. Vinzenz in Bern inkorporiert; der Konvent mit seinen sechs Nonnen behielt bis zum Aussterben Wohnrecht in F. Die Klosterkirche wurde vorerst Filiale von Mühleberg. Vermutlich bereits mit dem Neubau der Kirche von 1574 trennte sich F. als selbstständige Kirchgemeinde von Mühleberg. Bis zum Abbruch 1640 diente der Klosterbau als Pfarrhaus.

<b>Frauenkappelen</b><br>Kirche und Pfarrhaus, 1827. Kolorierte Umrissradierung von   Samuel Weibel (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>
Kirche und Pfarrhaus, 1827. Kolorierte Umrissradierung von Samuel Weibel (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Das Zelgdorf F., die Weiler und Einzelhöfe auf der Terrasse (Wohleiberg, Jaggisbach) und an der Aare (Wohlei, Äbischen) gehörten zur ehemaligen klösterl. Twingherrschaft, die ab 1486 niedergerichtlich vom bern. Stiftsschaffner, hochgerichtlich vom Grossweibel der Stadt Bern verwaltet wurde und militärisch zum Landgericht Sternenberg gehörte. F. war nach Bern erste Etappe an der 1742-48 ausgebauten Landstrasse Bern-Murten-Lausanne mit Wirtshaus, Schmiede, Krämerei sowie einst mit der klösterl. Pilgerherberge (sog. Spittel, 1908 abgebrannt). Das Gebiet war bis Ende der 1960er Jahre bäuerlich geprägt; danach wirkte sich die Nähe zu Bern in der Niederlassung industrieller Betriebe (Fahrzeug-, Maschinen-, Werkzeug-, Liftbau) und des Bundesamts für Infanterie sowie in einem moderaten Bevölkerungszuzug aus. Heute gehört F. zu den noch ländl. Vororten Berns.


Literatur
– U. Bellwald F., 1975
HS IV/2, 161-186

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler