08/09/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Bachenbülach

Polit. Gem. ZH, Bez. Bülach. Dorf am Fuss des Dettenbergs mit Strasse und Bach als Siedlungsachsen. 1149 Bahchenboulacho. 1665 273 Einw.; 1850 569; 1900 540; 1950 632; 1960 985; 1970 2'307; 2000 3'083. Verm. war der Ort eine hochma. Ausbausiedlung. Indiz dafür sind Allmend- und Waldanteile, die B. in den benachbarten Bülach und Winkel besass. 1367 stand ein Bruderhaus am Schläufenberg. 1412-1798 gehörte B. zur zürcher. Obervogtei Bülach und zum Twinghof Winkel (Offnung von 1417). Im Status einer sog. Aussengem. polit. und kirchl. mit Bülach verbunden, hatte B. nur beschränkt am Bürgernutzen und an den Privilegien der Stadt teil. Erstmals 1699 durfte B. eine eigene Gemeinderechnung führen. 1849 wurde die Zivilgem. B. nach langem Rechtsstreit zur selbstständigen polit. Gem. erklärt. Die Volkszählung von 1850 gibt Einblick in die Erwerbsstruktur: Landwirtschaft, Fabrik- und Heimarbeit, sowie ein breit gefächertes Landhandwerk zeigen beispielhaft die im Zürcher Unterland verbreiteten halb- und nichtagrar. Erwerbsformen. Noch 1939 herrschte eine kleinstrukturierte Landwirtschaft vor: Von 75 Betrieben verfügten nur 3 über mehr als 10 ha Kulturland, 52 über weniger als 5 ha; ein Drittel betrieb Landwirtschaft im Nebenerwerb. Die Nähe zu Bülach begünstigte früh dorffremde Modernisierungen: 1873 eine Strassenbeleuchtung mit dem Brennstoff Neolin, 1913 die Elektrifizierung; ab 1903 die Eindolung des Dorfbachs. 1876 bauten die Gebr. Maag eine Stickerei mit 20 Maschinen, die 1907 von Oberst Emil Sonderegger übernommen wurde und 1920 schloss. An ihre Stelle trat eine Handharmonikafabrik (1954 geschlossen). 1921 errichtete eine evang. Täufergem. eine Kapelle; 1949 gehörten ca. 100 Einw. freikirchl. Gemeinschaften an. Seit 1969 erschliesst die kant. Hochleistungsstrasse Kloten-Bülach die Industriezone B.s (1990 u.a. 30 Gewerbe- und Handelsbetriebe, zwei Einkaufszentren, 800 Arbeitsplätze). Dennoch ist B. heute v.a. suburbane Wohngem. der Agglomeration Zürich mit 81% Wegpendlern, 2% Beschäftigten im 1., 23% im 2. und 75% im 3. Sektor (1990).


Literatur
Dorf und Gem. B., 1950
– W. Hildebrandt, Bülach, 1967
– K. Wanner, Siedlungen, Kontinuität und Wüstungen im nördl. Kt. Zürich (9.-15. Jh.), 1984

Autorin/Autor: Martin Illi