• <b>Nenzlingen</b><br>Fundstelle Birsmatten-Basisgrotte, Foto von Karl Buri, 1962 (Bernisches Historisches Museum). Die Grotte diente im Mesolithikum wiederholt als Wohnstätte.

Nenzlingen

Polit. Gem. BL, Bez. Laufen. Haufendorf am Blauen. Nach 1294 Nencilingen. 1586 13 Herdstätten; 1722/23 195 Einw.; 1770 134; 1850 188; 1900 243; 1950 247; 2000 352.

1 - Ur- und Frühgeschichte

Die unter einem vorspringenden Kalkfelsen gelegene sog. Birsmatten-Basisgrotte gilt als eine der bekanntesten mesolith. Fundstellen der Schweiz. Das 7 m breite und 3,5 m tiefe, südorientierte Felsschutzdach öffnet sich zur flachen Flussau der heute in 80 m Entfernung vorbeifliessenden Birs. Das Abri wurde 1940 entdeckt und in den 1950er Jahren systematisch ausgegraben. Die bis zu 2,5 m mächtigen Sedimentschichtungen haben die Ausgräber zu fünf archäolog. Fundhorizonten zusammengefasst. Gemäss heutigen naturwissenschaftl. Analysen wurde die Grotte im späten Präboreal, Boreal und im Atlantikum (ca. 8500-5500 v.Chr.) auf period. Jagdzügen wiederholt von Menschengruppen als Wohnstätte genutzt. Im Vergleich dazu sind alle während den Ausgrabungen gewonnenen C-14-Datierungen zu jung ausgefallen. Von den rund 32'000 Silexartefakten dienten die für die Mittelsteinzeit typ. kleinteiligen Mikrolithen (insgesamt ca. 500 Stück) als Pfeil- und Speerspitzen. Der Gerätebestand zeigt insbesondere zu Beginn, im älteren Mesolithikum, starke Beziehungen zu nördl. Regionen, wie etwa Süddeutschland. Trapezformen als kennzeichnende Vertreter eines jüngeren Mesolithikums sowie Knochengeräte (u.a. mehrere Harpunenspitzen aus Hirschgeweih) kommen nur in den beiden letzten Fundhorizonten vor. Zwei durchbohrte Hirscheckzähne und eine Muschel aus dem Mittelmeer (Columbella rustica) dienten als Anhänger, ein Knochen ist mit Ritzlinien verziert. Pollenanalyt. Untersuchungen lassen zu Anfang noch auf einen Föhrenbestand schliessen. Ein nachfolgender, relativ lockerer Haselbewuchs verdichtete sich rasch zu einem Eichenmischwald mit Buche und Weisstanne. Aufgrund der Mahlzeitenüberreste waren Hirsch, Reh und Wildschwein (mehrheitlich jüngere Tiere) das Hauptjagdwild, ferner Biber, Wildkatze und Marder -- allesamt Tierarten einer Waldlandschaft. Vereinzelte Gemsenknochen zeugen von gelegentl. Jagdausflügen in höhere Juraregionen. Erst in den jüngsten Fundhorizonten sind Waldvögel, Flussfische und Frösche nachgewiesen. Die Grabungsberichte nennen auch eine kleine Feuerstelle. Von besonderer Bedeutung ist ein 1944 unter wenig klaren Umständen gehobenes, nahezu vollständiges Skelett einer mit 40-60 Jahren verstorbenen, kleinwüchsigen Frau aus der Mittelsteinzeit. Es lag auf dem Rücken ausgestreckt mit den Füssen gegen die rückwärtige Felswand und gilt als älteste Körperbestattung eines Menschen auf dem Gebiet der heutigen Schweiz. Allerdings sind Datierung und Geschlecht der Toten in der Forschung nicht unwidersprochen geblieben.

<b>Nenzlingen</b><br>Fundstelle Birsmatten-Basisgrotte, Foto von Karl Buri, 1962 (Bernisches Historisches Museum).<BR/>Die Grotte diente im Mesolithikum wiederholt als Wohnstätte.<BR/>
Fundstelle Birsmatten-Basisgrotte, Foto von Karl Buri, 1962 (Bernisches Historisches Museum).
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Ähnlich ausgerichtet, jedoch 30 m über dem Birsniveau und 1 km flussabwärts, liegt die Brügglihöhle, eine 14 m lange Ganghöhle, deren Decke heute stellenweise eingestürzt ist. Sie wurde z.T. von privater Seite 1940 sowie 1951-52 vollständig durchforscht. Ausgrabungsberichte erwähnen Herdstellen und Steinsetzungen und lassen einen Silexschlagplatz vermuten. Die 1'438 Steinartefakte stammen aus einer einzigen Fundschicht von bis zu 20 cm Stärke, ihre Zusammensetzung entspricht einem Spätmagdalénienhorizont. Archäolog. und naturwissenschaftl. Datierungsmethoden kommen zu unterschiedl. Zeitansätzen im Bereich um 13'000 v.Chr.

Autorin/Autor: Felix Müller (Bern)

2 - Gemeinde

Im MA hatten die Herren von Rotberg und Ramstein das ehem. reichsfreie N. zu Lehen, ab 1462 der Basler Bischof, der N. in die Vogtei Zwingen eingliederte. N. gehörte 1792 zur Raurach. Republik, ab 1793 zum franz. Dep. Mont-Terrible, ab 1815 zum Kt. Bern; 1994 kam es mit dem Laufental zum Kt. Basel-Landschaft. Bis 1622 war das Dorf nach Pfeffingen kirchgenössig, dann nach Blauen. Seit 1845 bildet N. eine eigene Pfarrei. Im 16. Jh. gab es eine Kapelle, die barocke St.-Oswald-Kirche wurde 1756 erstellt. Ein Jurapass verbindet N. mit Pfeffingen, die Birstalstrasse unterhalb von N. wurde seit dem frühen 18. Jh. mehrmals ausgebaut. 1898-1913 stand an der Baselstrasse im Tal eine Zementverarbeitungsfabrik, heute befindet sich dort eine Firma für agrochem. Produkte. 1982 erfolgte die Güterzusammenlegung, 1998 die Friedhofserweiterung und 2002 der Bau einer Schiessanlage mit der Gem. Zwingen. Den bäuerl. Charakter hat N. bewahrt; 2005 wurde noch mehr als ein Drittel der Arbeitsplätze von der Landwirtschaft gestellt.

Autorin/Autor: Patricia Zihlmann-Märki

Quellen und Literatur

Literatur
– H.-G. Bandi et al., «Die Brügglihöhle an der Kohlholzhalde bei N.», in Jb. des Bern. Hist. Mus. 32/33, 1952/53, 45-76
SPM 1
– M. Rolli, Jubiläumsschr. 700 Jahre N., 1998
– J. Sedlmeier, Die Birsmatten-Basisgrotte (Gem. N.) und die "älteste Schweizerin", 1998
– A. Basler, «Die Baselbieter Gem. N. gibt sich ein Zukunftsleitbild», in Schweizer Gem. 36, 1999, Nr. 12, 14-16
N., 2006