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Laufen (BL, Gemeinde)

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Polit. Gem. BL, Bez. L. Die Gem. umfasst den innerhalb ma. Mauern liegenden Stadtkern, die ehem. Vorstadt L. beim Wasserfall und die seit Anfang 20. Jh. entstandenen Siedlungsgebiete beidseits der Birs. 1846-1993 bern., seit 1994 basellandschaftl. Bezirkshauptort. 1141 Loufen, franz. Laufon. 1586 ca. 536 Einw. (inklusive Vorstadt); 1698 ca. 692; 1722/23 964; 1770 791; 1850 1'124; 1900 2'177; 1950 3'181; 2000 4'857. Als archäolog. Funde sind zwei neolith. Dolmengräber, spätbronzezeitl. Keramik sowie ein 1917 entdeckter röm. Gutshof bei Müschhag mit Töpfer- und Ziegelbrennofen und Eisenschmelze zu erwähnen. Die Anfänge L.s liegen rechts der Birs bei der St. Martinskirche, wo sich vermutlich auch der Dinghof befand, den das Kloster St. Blasien 1141 an den Bf. von Basel abtrat. Ab dem 12. oder 13. Jh. verlagerte sich das 1195 erstmals erw. Dorf auf die linke Birsseite, wo eine von einem Graben und einem Birsarm umgebene Wasserburg (heutiges Amtshaus) stand. 1295 erhielt es vom Bischof das Stadtrecht nach dem Modell Basels. 1988 wurden beim Rathaus Reste einer aussergewöhnl. Häuserzeile aus Holz aus dem 13. Jh. ausgegraben. Die Instabilität und Zersplitterung der bischöfl. Herrschaft schlug sich im 14. und 15. Jh. in der wiederkehrenden Verpfändung der Stadt nieder. Die Verwaltung lag in der Hand eines bischöfl. Meiers. 1408 ist erstmals ein Rat belegt. Vom 15. Jh. an gehörte L. zum Amt L. und ab 1459/61 zur Vogtei Zwingen. Die 1445 erstmals erw. Vorstadt L., die bis 1793 eine eigenständige Gem. bildete, war Teil des Amts Zwingen. 1793-1813 war L. der Hauptort des franz. Kantons (Dep. Mont-Terrible bzw. Haut-Rhin).

Das älteste Gotteshaus war wohl die 1265 erstmals erw. St. Martinskirche; ihr Martinspatrozinium sowie Grabplattenfragmente und Siedlungsfunde deuten auf eine Gründung im 7. oder 8. Jh. hin. Nach L. waren - teilweise bis ins 20. Jh. - Dittingen, Röschenz, Wahlen und Zwingen pfarrgenössig. Die an die Stadtmauer gebaute Katharinenkapelle wurde 1364 geweiht und 1698/99 neu errichtet und gehört seit 1907 den Christkatholiken. 1525 entschied sich L. für die Reformation, wurde aber 1588 vom Landesherrn, dem Fürstbf. Jakob Christoph Blarer von Wartensee, rekatholisiert. Während des Kulturkampfs entstand die christkath. Gemeinde. 1914 wurde die kath. Herz-Jesu-Kirche erbaut. Bis in die Gegenwart ist die Mehrheit der Bewohner kath., die meisten übrigen sind ref., und nur eine verschwindend kleine Minderheit ist christkatholisch. Die ref. Gem. besteht seit 1897 und verfügt seit 1903 über eine eigene Kirche.

Ab 1565 fanden zwei, später vier Jahrmärkte statt, ab 1620 existierte - evtl. nur vorübergehend - ein Wochenmarkt. Eine erste, 1601 belegte Zunft hatte nur kurzen Bestand; im 18. Jh. bildeten sich fünf Zünfte, denen auch Landhandwerker angehörten. Die städt. Bevölkerung lebte von Mischerwerb. Im 17. und der 1. Hälfte des 18. Jh. verfügte rund die Hälfte der Haushalte über Rindvieh. Rund zwei Drittel der Haushalte besassen am Ende des 17. Jh. landwirtschaftlich nutzbaren Boden, wobei nur ein Drittel von ihnen mehr als 4 ha Land bewirtschaftete. Das im 14. Jh. erstmals bezeugte System der Dreizelgenwirtschaft blieb bis ins 19. Jh. erhalten. Daneben wurde Handwerk für den lokalen Bedarf sowie Fischerei und Flösserei betrieben. Ab der 2. Hälfte des 16. Jh. bestanden eine Ziegelhütte, die noch zu Beginn des 20. Jh. als Handziegelei in Betrieb war, sowie eine Papiermühle, die 1754 schloss. Über die Bedeutung der textilen Heimarbeit lassen sich für das 17. und 18. Jh. keine gesicherten Aussagen machen. Industrieprojekte des 18. Jh. erhielten entweder keine Bewilligung (1762 Indienne-Fabrik) oder scheiterten an der Finanzierung (1772-73 Blechwarenfabrik). Einzig die 1787 gegr. Glasfabrik erlebte im frühen 19. Jh. eine kurze Blüte, wurde aber um 1850 aufgegeben. 1875 erhielt L. Anschluss an die Bahnlinie Basel-Delsberg, was zu einem industriellen Aufbruch führte, der die aus vorindustrieller Zeit stammende Steinhauerei ab 1880 erfasste und 1887 zur Eröffnung einer Zement- und 1892 einer Tonwarenfabrik (heute die Keramik Laufen, seit 1925 Herstellerin von Sanitärartikeln) führte. 1927 kamen eine Aluminium-, 1928 eine Papierfabrik sowie - neben weiteren Lebensmittelfirmen - 1930 die Ricolafabrik hinzu, gefolgt 1931 von der Überkleiderfabrik Spindler und 1946 vom Korkwarenproduzenten Kögler. Diese industrielle Vielfalt ist allerdings am Schwinden. Zu Beginn des 21. Jh. ist die Mehrheit der Beschäftigten im Dienstleistungssektor tätig. An Attraktivität als Arbeitsort hat L. nichts eingebüsst, was sich an der weiterhin positiven Pendlerbilanz ablesen lässt. L. verfügte und verfügt nicht nur als Bezirkshauptort des Kt. Bern bzw. des Kt. Basel Landschaft, sondern auch als Standort des 1869 gegr. Fenningerspitals (seit 1994 Kantonsspital) und der seit 1837 bestehenden Sekundarschule (seit 1969 interkant. Gymnasium) über eine zentralörtl. Bedeutung, die über die Kantonsgrenze hinaus bis ins solothurn. Schwarzbubenland reicht. Der 1944 gegr. Museumsverein eröffnete nach Jahren der Sammlungstätigkeit 1977 mit Hilfe der Einwohnergemeinde das Laufentaler Museum. Die Stadt L. lehnte den Kantonswechsel von Bern zu Baselland 1983 und 1989 ab.


Literatur
– S. Martin-Kilcher, Die Funde aus dem röm. Gutshof von L.-Müschhag, 1980
– D. Hagmann, P. Hellinger, 700 Jahre Stadt L., 1995
– J. Pfrommer, D. Gutscher, L. Rathausplatz, 1999
– A.C. Fridrich, "Das einem das Guthe zu fliessen solle wie dass Bösse", 2002
– A. Pichard, La question jurassienne, 2004, 86-88

Autorin/Autor: Anna C. Fridrich