Waltalingen

Polit. Gem. ZH, Bez. Andelfingen, bestehend aus den beiden Dörfern W. (bis 1973 Zivilgem.) und Guntalingen (bis 2009 Zivilgem.) am Westrand des Stammertals. 830 Waltiningum und Cuntheringum für Guntalingen. 1467 23 Haushalte; 1634 258 Einw.; 1746 428; 1850 719; 1900 538; 1950 497; 2000 684. Die Burgen Schwandegg und Girsberg tauchen im 13. Jh. als Herrensitze kyburg. und habsburg. Dienstleute auf. Anfang des 14. Jh. übte Habsburg die hohe und niedere Gerichtsbarkeit über beide Dörfer aus. 1434 kamen W. und Guntalingen mit der Herrschaft Andelfingen an Zürich, das diese in der Landvogtei Andelfingen verwaltete. W. gehörte seit jeher zur Pfarrei bzw. Kirchgem. Stammheim, verfügte aber ab dem SpätMA über die St.-Antonius-Kapelle, in der 1896 reiche Wandmalereien entdeckt wurden. In seiner agrargeschichtl. Fallstudie über die Erbgänge in der Zivilgem. W. wies Arthur Wolf nach, dass infolge der vorherrschenden Realteilung - nur bisweilen zahlten Anerben auch Geschwister und Elternteile aus - die Höfe immer weiter aufgesplittet wurden; charakteristisch für das 19. Jh. waren Kleinstbetriebe (30% der Betriebe unter 1ha, nur 5% über 10ha gross). Ausserdem stieg die durchschnittl. Hypothekarverschuldung eines Betriebs 1820-1909 von 30% auf über 65% des Schätzungswerts. Wichtigste Gläubiger waren neben Gemeinde-, Armen- und Kirchengut Privatpersonen aus Zürich und Winterthur sowie aus der näheren Umgebung; Bankinstitute traten erst nach 1850 als Kreditgeber in Erscheinung. Im Laufe des 19. Jh. wuchs die Bedeutung der Milchwirtschaft auf Kosten des Acker- und Rebbaus. Die Meliorationen des Stammertals 1919-27 und 1964-86 umfassten auch den Gemeindebann W.s. Die Gem. war auch noch Anfang des 21. Jh. agrarisch geprägt (2005 49% der Arbeitsplätze im 1. Sektor).


Literatur
– R. Durrer, Der ma. Bilderschmuck der Kapelle zu W. bei Stammheim, 1898
– A. Wolf, Ein Beitr. zur Erkenntnis der Verschuldung des bäuerl. Grundbesitzes im Kt. Zürich, 1912
– H.U. Pfister, «W.», in Zürcher Weinland, hg. von E. Akeret, 21987, 234-237
– M. Leonhard, Guntalingen 1433-2009, 2009

Autorin/Autor: Martin Illi