• <b>Edmund Schulthess</b><br>Porträt des Bundesrats. Aufnahme aus dem Fotostudio von  Jean Kölla,   Bern, um 1912 (Schweizerische Nationalbibliothek).

No 4

Schulthess, Edmund

geboren 2.3.1868 Villnachern, gestorben 22.4.1944 Bern, ref., von Zürich, bis 1904 von Mühlethal (heute Gem. Zofingen), ab 1902 von Brugg. Sohn des Edmund, Gutsbesitzers, und der Brigitta Cornelia geb. Marth. Bruder des Wilhelm ( -> 26). ∞ 1892 Margaretha Disqué, aus Saint-Quentin (Picardie). Kantonsschule Aarau, Jusstud. in Strassburg, München, Leipzig, Bern und Paris, Fürsprecherpatent. 1891 eröffnete S. eine Anwaltspraxis in Brugg, das gerade einen industriellen Aufbruch erlebte. Er war für Firmen in der Region tätig, teils als Verwaltungsratspräsident. 1900 wurde er Rechtsberater und Revisor sowie 1904 für die Dauer eines halben Jahres Direktor der Aktiengesellschaft Brown, Boveri & Cie. in Baden. S. vertrat 1893-1912 die FDP im aarg. Grossen Rat (1897-98 Präs.). Der Radikalliberale gelangte, unterstützt von Bauernverband und Katholisch-Konservativen, 1905 in der ersten aarg. Volkswahl in den Ständerat, dem er bis 1912 angehörte. Nach dem Tod von Bundesrat Adolf Deucher wurde er am 17.7.1912 in den Bundesrat gewählt. Er leitete das Handels-, Industrie- und Landwirtschafts- bzw. das aus diesem 1915 hervorgegangene Volkswirtschaftsdepartement 23 Jahre lang und war 1917, 1921, 1928 und 1933 Bundespräsident. Zur Krisenbewältigung ergriff S. während des 1. Weltkriegs und der 1920er und 30er Jahre zahlreiche staatsdirigist. Massnahmen. Wichtige Vorlagen wie 1924 die als Lex Schulthess bezeichnete Arbeitszeitverlängerung auf 54 Stunden, 1926 das Getreidemonopol und 1931 eine AHV-Vorlage brachte er allerdings nicht durch. Er setzte sich für die Frankenabwertung ein, die erst 1936 umgesetzt werden sollte. Amtsmüde und von Asthma geplagt, trat er 1935 aus dem Bundesrat zurück, der ihn zum ersten Präs. der Eidg. Bankenkommission wählte; diese Funktion bekleidete er bis 1943. S. galt als lösungsorientierter Pragmatiker. Seine Leistung in wirtschaftspolitisch schwierigster Zeit wurde nach seinem Rücktritt quer durch die Parteien anerkannt. Als ehem. Wirtschaftsanwalt stand er nicht einfach auf der Seite der Industrie, sondern versuchte auch den Anliegen der Arbeiterschaft gerecht zu werden.

<b>Edmund Schulthess</b><br>Porträt des Bundesrats. Aufnahme aus dem Fotostudio von  Jean Kölla,   Bern, um 1912 (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/><BR/>
Porträt des Bundesrats. Aufnahme aus dem Fotostudio von Jean Kölla, Bern, um 1912 (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Archive
– BAR, Nachlass
Literatur
– Altermatt, Bundesräte, 321-326

Autorin/Autor: Andreas Steigmeier