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Keller, Emil

geboren 2.3.1878 Zofingen, gestorben 12.3.1965 Aarau, ref., von Hottwil und ab 1909 Ehrenbürger von Fahrwangen. Sohn des Emanuel Gottlieb, Lehrers und späteren Redaktors der "Aargauer Nachrichten", und der Elisabeth geb. Geissmann. Bruder von Gottfried ( -> 33) und Johann Alfred ( -> 56). ∞ Anna Mathilde Fisch, Tochter des Karl Fisch. Kantonsschule in Aarau, Rechtsstud. in München, Berlin und Bern, 1902 Erwerb des aarg. Fürsprecherpatents. 1902-05 Staatsschreiber-Stellvertreter, 1905-09 Staatsschreiber, 1909-45 freisinniger Regierungsrat, bis 1923 Bau- und Landwirtschaftsdirektor, dann Finanzdirektor. In diesem Amt sanierte er in der Finanzmisere vor und nach dem 1. Weltkrieg die aarg. Staatsrechnung. K. gilt als Initiant des Ausbaus der aarg. Wasserkräfte. Seine Ziele in der Elektrizitätspolitik waren die Vereinheitlichung der kant. Elektrizitätswirtschaft und die planmässige Ausnützung der Wasserkraft. 1914 regte er die Gründung der Nordostschweiz. Kraftwerke (NOK) an. Von der 1916 erfolgten Gründung an war er Verwaltungsratspräsident des Aarg. Elektrizitätswerks und ab 1942 Präs. der NOK. 1912-22 und 1924-43 vertrat er den Kt. Aargau im Nationalrat (Präs. 1942-43). Er nahm in mehreren ständigen Komm. Einsitz, so in der Geschäftsprüfungs-, in der Finanz- und der Bundesbahnkommission, und gehörte über 60 nichtständigen Komm. an, von denen er 15 präsidierte. Wie auf kantonaler widmete er sich auch auf nationaler Ebene vorwiegend Finanz- und Energiefragen. So referierte er über die Kriegssteuer, das Eidg. Versicherungsgericht, den Beitritt der Schweiz zum Völkerbund, die Finanzprogramme sowie die Wehranleihe. 1943 kandidierte er an Stelle seines Bruders Gottfried für den Ständerat, verlor aber in einer Kampfwahl gegen den SP-Kandidaten Karl Killer. 1930-42 war er Präs. der kant. FDP und ab 1945 Mitglied des Verwaltungsrats des "Aargauer Tagblatts" (1956-64 Präs.). 1963 Dr. h.c. der Wirtschaftswissenschaften der Univ. Zürich. Major.


Werke
30 Jahre Aarg. Elektrizitätswerk, 1916-1946, 1946
Literatur
Aargauer Tbl., 13.3. und 15.3.1965
– Gruner, Bundesversammlung 1, 658

Autorin/Autor: Sarah Brian Scherer