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Vogelsanger, Jakob

geboren 1.7.1849 Beggingen, gestorben 12.4.1923 Zürich, ref., von Beggingen und Zürich. Sohn des Jakob, Landwirts und Taglöhners. ∞ 1) 1873 Rosine Susanna Steinemann, 2) 1879 Elisabetha Müller, Tochter des Georg. Aus einfachen Verhältnissen, 1866-70 Gärtnergehilfe in Wollishofen. 1868 Eintritt in den Grütliverein und später auch in die SP. Ab 1868 freier Mitarbeiter, 1870-72 Hilfsredaktor beim "Grütlianer" in Bern. 1872-75 Verlagsgehilfe in Bern. Bis 1878 Mitredaktor des "Grütlianers" in Winterthur, 1878-92 Hauptredaktor in Bern, Chur und Zürich. 1881-90 Mitglied des Gr. Stadtrats in Chur. 1891 Übersiedlung nach Oberstrass, 1892-1919 im Kl. Stadtrat in Zürich. 1892-1905 und 1907-11 Zürcher Kantonsrat. 1890-1905 Nationalrat. 1887-89 Präs. des Bündner Grütlivereins. Mitbegründer der Schweiz. Grütli-Krankenkasse. V., der an der Demokrat. Bewegung in Zürich teilnahm, gehörte als Redaktor dem linken Flügel des Grütlivereins an. Er zählte zu den führenden Grütlianern und war der erste sozialdemokrat. Vertreter im Churer Stadtrat und im Nationalrat, wo er sich 1896 der sozialpolit. Gruppe anschloss. In Zürich reorganisierte V. die Polizei nach der Stadtvereinigung 1893 und schuf die Amtsvormundschaft. Er hielt an den Auffassungen des Grütlivereins fest, was ihn seinen Sitz im Nationalrat kostete und ihm von der Partei wachsende Kritik als Polizeivorstand eintrug.


Werke
Der schweiz. Grütliverein, 1883
35jährige Gesch. des Schweiz. (Interkant.) Naturalverpflegungsverbandes (1887-1922), 1922
Literatur
– K. Bächtold, «Jakob V.», in SchBeitr. 34, 1957, 242-248
– Gruner, Bundesversammlung 1, 121 f.
– M. Bundi, Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie in Graubünden, 1981, 30 f.
– Gruner, Arbeiterschaft 3, 752-754

Autorin/Autor: Markus Bürgi