• <b>Robert Seidel</b><br>Porträttafel am 1.-Mai-Umzug in Zürich. Fotografie, 1951 (Schweizerisches Sozialarchiv). Der Demonstrationsumzug thematisiert die hundertjährige Geschichte der Arbeiterbewegung. Neben den Porträts von Karl Marx und Friedrich Engels werden auch die Konterfeis von lokalen Vordenkern und Leitfiguren der Arbeiterbewegung wie Karl Bürkli, Herman Greulich oder Friedrich Erismann (hinten im Bild) gezeigt. Sie bildeten einen Kontrapunkt zu den Festlichkeiten des folgenden 2. Juni, an dem Zürich des Bundes mit den Eidgenossen von 1351 gedachte.

No 1

Seidel, Robert

geboren 23.11.1850 Kirchberg (Sachsen), gestorben 19.7.1933 Zürich, luth., später konfessionslos, ab 1880 von Witikon und 1903 von Zürich. Sohn des Johann David, Tuchmachermeisters. ∞ 1878 Elise Mathilde Schwarz, Tochter des Johann David, Schönfärbers. 1865-67 Tuchmacherlehre, danach Buckskinweber in Crimmitschau (Sachsen), aktiver Sozialdemokrat. 1870 Flucht nach Zürich. 1876-79 Geschäftsführer der Unternehmungen des Arbeiterbunds. 1880 Primarlehrer, 1881-83 Sekundarlehrerstud. an der Univ. Zürich, 1884-90 Sekundarlehrer in Mollis. 1890-98 Redaktor der "Arbeiterstimme" in Zürich, 1898 des "Volksrechts", 1900-26 des "Grütlikalenders". 1899-1912 Sekundarlehrer und wissenschaftl. Tätigkeit, ab 1905 PD für Pädagogik an der ETH, ab 1908 an der Univ. Zürich (Hochschullehrer bis 1929). 1898-1916 und 1919-21 für die SP im Gr. Stadtrat von Zürich (1907-08 Präs.), 1893-96, 1899-1917 und 1920-23 Kantonsrat, 1911-17 Nationalrat. Bis 1898 von lokaler bis internat. Ebene in zahlreichen Ämtern der Arbeiterbewegung. S. gehörte in den 1890er Jahren innerhalb der Arbeiterbewegung zu den wichtigen Führern des linken Flügels, war aber als kämpfer. Persönlichkeit zugleich umstritten. Er näherte sich später dem Grütliverein und überwarf sich im 1. Weltkrieg mit der Partei. S. veröffentlichte unter dem Pseudonym A.B.C. zahlreiche sozialpolit. Schriften. Seine Gedichte im Stile der Kampfpoesie und Erbauungslyrik fanden im In- und Ausland Verbreitung. Als Sozialpädagoge vertrat er die Ideen der Arbeitsschule.

<b>Robert Seidel</b><br>Porträttafel am 1.-Mai-Umzug in Zürich. Fotografie, 1951 (Schweizerisches Sozialarchiv).<BR/>Der Demonstrationsumzug thematisiert die hundertjährige Geschichte der Arbeiterbewegung. Neben den Porträts von Karl Marx und Friedrich Engels werden auch die Konterfeis von lokalen Vordenkern und Leitfiguren der Arbeiterbewegung wie Karl Bürkli, Herman Greulich oder Friedrich Erismann (hinten im Bild) gezeigt. Sie bildeten einen Kontrapunkt zu den Festlichkeiten des folgenden 2. Juni, an dem Zürich des Bundes mit den Eidgenossen von 1351 gedachte.<BR/>
Porträttafel am 1.-Mai-Umzug in Zürich. Fotografie, 1951 (Schweizerisches Sozialarchiv).
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Werke
Aus Kampfgewühl und Einsamkeit, 1895 (51902)
Lichtglaube und Zukunftssonnen, [1907]
Gesammelte Gedichte, 1925
Archive
– Teilnachlässe in: Sozarch, ZBZ, AfZ
Literatur
– Gruner, Bundesversammlung 1, 105 f.
– A. Seidel, Robert S.: Verz. der im Grütlikal. der Jg. 1900-1926 erschienenen Aufs., [ca. 1930] (NB)
– B. Rost, Alphabet. Verz. der Slg. von Aufs. u.a., in Tagesztg. und Zs., 1870-1932, 2 Bde., [1960] (ZBZ)
– B. Spillmann-Jenny, Robert S., 1980

Autorin/Autor: Markus Bürgi