14/08/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Oberwichtrach

Ehem. polit. Gem. BE, Amtsbez. Konolfingen, 2004 Fusion mit Niederwichtrach zur Gem. Wichtrach. Auf der rechten Seite des Aaretals an der Landstrasse Bern-Thun gelegen. Umfasste das Dorf O., die Dorfteile Station und Stockeren sowie die Weiler Ober- und Niederwil. 1180 Wichtracho. 1764 217 Einw.; 1850 562; 1900 650; 1950 895; 1980 1'664; 2000 2'377. Ein hallstattzeitl. Grabhügel wurde im Mauracherwald, eine grosse röm. Villa mit Nekropole im Bereich der Kirche entdeckt. Im MA waren die Klöster Fraubrunnen, Frienisberg und Interlaken in O. begütert. Das Kloster Einsiedeln ist 1266 als Grund-, Gerichts- und Kirchenherr in O. bezeugt. Der Twing war Teil des kyburg., ab 1406 bern. Landgerichts Konolfingen. Das Kloster schenkte seinen Besitz in O. im Vorfeld der Reformation 1527 dem damaligen Herrn von Niederwichtrach, Sebastian von Stein, doch Bern zog O. an sich und fand den altgläubigen von Stein mit Geld ab. Nun verwaltete der jeweilige Venner des Landgerichts das Vennergericht O. mit Häutligen bzw. ab 1601 auch mit Oppligen. Das Zelgdorf O. schränkte 1591 die Nutzung der Allmend gegen dort hausende Tauner ein; die Bauernsame gab sich 1595 eine Dorfordnung. Die in O. gelegene, 1180 erw. Kirche bildete das Zentrum der Pfarrei - und später der Kirchgemeinde - Wichtrach; sie war dem hl. Mauritius geweiht. Der heutige Bau wurde 1745 erstellt. 1798 kam O. zum Distrikt Steffisburg, 1803 zum Oberamt bzw. Amtsbez. Konolfingen. Gegen Einbrüche der Aare in die Allmend waren ab dem 16. Jh. mit Nachbardörfern Schwellen zu erstellen; nach der Aarekorrektion 1825-27 teilten O. und Niederwichtrach die Au auf und machten sie urbar. 1823 nahm die Gem. den Zelgweiler Wil-Drittel auf. 1833 wurde die Thalgutbrücke über die Aare errichtet. Die Bahnlinie Bern-Thun (Station 1859) hatte auf das Gemeindewachstum wenig Einfluss; erst nach 1900 überflügelte O. allmählich Niederwichtrach. Die rasante Bevölkerungszunahme ab 1960 schlug sich in der Anlage von Neuquartieren in der Au und um den Dorfkern nieder. Gewerbezonen entstanden beim Bahnhof (Baumaterialien-, Stahlfedernfabrik, Holzbau) und an der Autobahn (Werkhof). 2000 arbeiteten 78% der in der Gem. wohnhaften Erwerbstätigen auswärts. Die seit 1907 bestehende Sekundarschule wird von einem Gemeindeverband getragen.


Literatur
O. - gestern und heute, 1991
– C. Rümelin, Bauinventar der Gem. O., Amtsbez. Konolfingen, 1993

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler