• <b>Ernst Nobs</b><br>Karikatur im "Nebelspalter" vom 30. Dezember 1943, gezeichnet von  Gregor Rabinovitch (Schweizerische Nationalbibliothek). Die nur wenige Tage nach Nobs' Wahl in den Bundesrat erschienene Karikatur "Die Treppe" widerspiegelt die Laufbahn des Politikers. Mit seinen Publikationen auf dem Rücken steigt Nobs von der untersten Stufe, seiner Redaktorenstelle beim "Volksrecht", stetig empor. Er wird Nationalrat, Regierungsrat und 1942 Zürcher Stadtpräsident.

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Nobs, Ernst

geboren 14.7.1886 Seedorf (BE), gestorben 13.3.1957 Meilen, ref., von Seedorf, Zürich und Grindelwald (Ehrenbürger 1944). Sohn des Jakob, Schneiders, und der Anna geb. Bernet, Uhrenarbeiterin. ∞ 1) 1907 Anna Leist, Tochter des Johannes, Lehrers, 2) 1949 Rose Fröhlich, Sekretärin, Adoptivtochter des Heinrich, Schriftsetzers. Aufgewachsen in Grindelwald in bescheidenen Verhältnissen. 1902-06 Lehrerseminar in Hofwil und Bern. 1906-12 Lehrer in Wynau und Ostermundigen. 1911-12 Mitglied der Geschäftsleitung der SP des Kt. Bern. 1912-15 Redaktor sozialdemokrat. Zeitungen in Luzern und St. Gallen, 1915-35 beim "Volksrecht" in Zürich, 1921 Mitgründer und Redaktor der "Roten Revue". 1916-19 und 1920-33 Gr. Stadtrat (1931-32 Präs.) in Zürich, 1916-18 und 1919-23 Präs. der SP der Stadt Zürich, 1917-19 Mitglied der Geschäftsleitung der SPS, 1919-43 Nationalrat, 1935-42 Regierungsrat des Kt. Zürich (Inneres und Justiz, ab 1938 Volkswirtschaftsdirektion), 1942-43 Stadtpräs. von Zürich, 1944-51 Bundesrat (Eidg. Finanz- und Zolldep.), 1949 Bundespräsident. 1952-57 Mitglied des IKRK, 1952-57 Präs. des Verwaltungsrats des AHV-Ausgleichsfonds.

<b>Ernst Nobs</b><br>Karikatur im "Nebelspalter" vom 30. Dezember 1943, gezeichnet von  Gregor Rabinovitch (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>Die nur wenige Tage nach Nobs' Wahl in den Bundesrat erschienene Karikatur "Die Treppe" widerspiegelt die Laufbahn des Politikers. Mit seinen Publikationen auf dem Rücken steigt Nobs von der untersten Stufe, seiner Redaktorenstelle beim "Volksrecht", stetig empor. Er wird Nationalrat, Regierungsrat und 1942 Zürcher Stadtpräsident.<BR/>
Karikatur im "Nebelspalter" vom 30. Dezember 1943, gezeichnet von Gregor Rabinovitch (Schweizerische Nationalbibliothek).
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N. steht beispielhaft für den Weg der Sozialdemokratie von der Opposition zur Regierungsverantwortung. Nachdem er im und unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg noch zu den Exponenten der Parteilinken gehört und 1918 den Abbruch des Landesstreiks heftig kritisiert hatte, rückte er in Auseinandersetzung mit dem Kommunismus und vor dem Hintergrund von Krise und nationalsozialist. Bedrohung von den Positionen des Klassenkampfs ab, vertrat nun reformist. Auffassungen und bekannte sich zur Landesverteidigung. In der Schrift "Helvetische Erneuerung" (1943) formulierte er seine Vorstellungen über den Ausbau der Schweiz zur sozialen Demokratie. Am 15.12.1943 wurde N. als erster Sozialdemokrat in den Bundesrat gewählt. In diesem setzte er sich für eine Bundesfinanzreform ein, die aber 1950 am bürgerl. Widerstand wie an der Opposition der Linken scheiterte.


Archive
– Teilnachlässe im BAR und im Sozarch, Archiv der SPS
Literatur
– Altermatt, Bundesräte, 427-430
– T. Kästli, Ernst N., vom Bürgerschreck zum Bundesrat, 1995

Autorin/Autor: Markus Bürgi