09/09/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken

Niederwichtrach

Ehem. polit. Gem. BE, Amtsbez. Konolfingen. Dorf auf der rechten Seite des Aaretals. 2004 fusionierte N. mit Oberwichtrach zur Gem. Wichtrach. 1180 Wichtracho. 1764 361 Einw.; 1850 706; 1900 720; 1950 769; 2000 1'322. Gräber der Spätlatènezeit wurden im Bereich der Seinfeld-Kriesgrube und in der Bachtelen entdeckt, röm. Mauerreste unter dem Haus Rolli. Im SpätMA und der frühen Neuzeit zählte N. niedergerichtlich zur Herrschaft Münsingen, bis deren Inhaber, die Bernburger von Steiger, den Besitz im 17. Jh. teilten: N. wurde nun eine eigene Twingherrschaft; Herrschaftssitz war der 1570 erbaute Landsitz hinter dem Schloss Münsingen. 1798 gingen die Herrschaftsrechte verloren. N. gehörte zur Pfarrei bzw. Kirchgem. Wichtrach (Pfarrkirche in Oberwichtrach). Ab dem 16. Jh. war das Zelgdorf N. zusammen mit Oberwichtrach zur Aarewehr verpflichtet (Ordnung des Schwellenbaus 1596), um die Allmend vor Überflutung zu schützen. Nach der Aarekorrektion 1825-27 wurde die Au-Allmend aufgeteilt und urbarisiert. Der Bau der Autobahn löste die Güterzusammenlegung aus (1969-79); die Giessen (Überläufe der Aare) wurden aufgefüllt, das Wegnetz saniert und Höfe in die Talebene ausgesiedelt. Gute Verkehrsverbindungen (1859 Bern-Thun-Bahn, 1972 Autobahn) lockten seit 1970 Zuzüger an; es entstanden Wohnbauten im Dorf und das Neuquartier Fuhren. Einst zog sich die Dorfsiedlung längs der alten Landstrasse Bern-Thun hin; im 20. Jh. wurde dann vermehrt den Osthang des Aaretals hinauf gebaut. Trotzdem ist das Erscheinungsbild der Gem. auch zu Beginn des 21. Jh. noch ländlich-kleingewerblich geprägt, wobei 2000 gut vier Fünftel der Erwerbstätigen auswärts arbeiteten.


Literatur
Güterzusammenlegung N., 1969-79, 1980
– H. Schneeberger, Bauinventar der Gem. N., Amtsbez. Konolfingen, 1993

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler